Mit dem Adizero EVO SL Woven führt Adidas die Idee des EVO SL weiter und setzt dabei vor allem am Obermaterial an. Das neue, gewebte Mesh soll für mehr Halt und eine wertigere Anmutung sorgen, während Mittel- und Außensohle unverändert bleiben. Auf rund 50 Kilometern habe ich den Schuh in der Trainingsrotation getestet – vom lockeren Dauerlauf bis zu kurzen Intervalleinheiten. Im folgenden Testbericht erfährst du, wie sich der EVO SL Woven dabei geschlagen hat.
Adidas EVO SL Woven: Einordnung in die Adizero-Familie
Der EVO SL Woven ist die jüngste Variante in der Adizero-Familie und positioniert sich als vielseitiger Daily Trainer für das tägliche Training. Während der Adios Pro Evo 1 als ultraleichter Wettkampfschuh weit über dem üblichen Preisrahmen liegt, schließt der EVO SL als bezahlbare Variante die Lücke zwischen lockeren Trainingsläufen und Tempoeinheiten. Die Woven-Version ist kein technisches Update der Sohle: Mittelsohle und Außensohle bleiben gegenüber dem regulären EVO SL identisch. Adidas hat ausschließlich am Obermaterial gearbeitet und ein neues, gewebtes Multi-Stretch-Mesh eingesetzt, das für besseren Sitz und eine wertigere Optik sorgen soll.
Die Mittelsohle besteht weiterhin komplett aus Lightstrike Pro, dem reaktivsten Schaum im Adidas-Sortiment, der sonst in den Wettkampfmodellen zum Einsatz kommt. Auf Energy Rods verzichtet Adidas auch beim Woven, stattdessen sitzt unter der Einlegesohle ein kleines Stabilisierungselement. Mit einer Stapelhöhe von 38,5 mm an der Ferse und 32 mm im Vorfuß sowie einer Sprengung von 6,5 mm bewegt sich der Schuh klar im Performance-Bereich, bleibt aber unter den Bauhöhen klassischer Carbon-Racer. Der Preis liegt unverändert bei 150 €.
Gewebtes Multi-Stretch-Mesh & Passform: Mehr Halt
Beim ersten Anziehen fällt das gewebte Obermaterial sofort auf. Es wirkt strukturierter und etwas straffer als ein klassisches Lauf-Mesh und gibt dem Vorfußbereich spürbar mehr Halt. Die Fersenkappe ist dezent verstärkt, die Polsterungen im Knöchelbereich fallen sparsam aus – passend zum sportlichen Charakter des Schuhs.
Die Passform fällt in der Längsachse normal aus, im Zehenbereich wirkt sie für meinen Fuß allerdings etwas eng. Auf den ersten Läufen habe ich mir an beiden großen Zehen leichte Blasen gelaufen – ein Problem, das ich bei anderen Adizero-Modellen so nicht hatte. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase blieben die Blasen aber aus. Wer empfindliche Zehen oder generell etwas breitere Füße hat, sollte den Schuh dennoch vorher in Ruhe anprobieren. Atmungsaktiv ist das gewebte Mesh aus meiner Sicht ausreichend, auch wenn die Struktur dichter wirkt als bei einem klassischen Engineered Mesh.
Lightstrike-Pro-Mittelsohle: Weich bei locker, reaktiv bei Tempo
Die Mittelsohle aus Lightstrike Pro bietet ein weiches und dennoch reaktives Laufgefühl. Auf lockeren Dauerläufen sinkt der Fuß spürbar in den Schaum ein, was ein angenehmes Komfortgefühl vermittelt. Erst ab mittlerem Tempo wird der Lightstrike Pro richtig lebendig und gibt einen aktiven Push nach vorn. Die Rocker-Geometrie unterstützt das Abrollen, ohne so aggressiv zu wirken wie bei einem Carbon-Racer.
Continental-Außensohle: Gut auf Asphalt, mit einer Einschränkung
Die Außensohle kombiniert Continental-Gummi mit transparenten Gummielementen und liefert auf Asphalt zuverlässigen Grip. Bei engen Kurven merkt man jedoch, dass sich der weiche Aufbau leicht in sich verwindet – die Innensohle bewegt sich im Schuh ein Stück mit. Wer häufig auf kurvenreichen Strecken läuft, sollte sich dessen bewusst sein. Für die klassische Trainingsrunde ist die Stabilität aber völlig ausreichend.
Laufgefühl: Zwei Gesichter je nach Pace
Im Training zeigt der EVO SL Woven zwei Gesichter. Auf langsamen Läufen dominiert die weiche Komponente: Der Schuh fühlt sich angenehm gedämpft an, federt deutlich nach und lädt zu entspannten Grundlageneinheiten ein. Sobald das Tempo anzieht, gewinnt der Lightstrike Pro spürbar an Reaktivität und der Schuh wird dynamischer. Bei kurzen Intervalleinheiten im mittleren Tempobereich hat mir der Schuh besonders Spaß gemacht. Die Rocker-Geometrie unterstützt einen flüssigen Abdruck, und das geringe Gewicht hilft bei höheren Frequenzen.
Adidas EVO SL Woven vs. Saucony Endorphin Azura & NB Rebel v4
- Saucony Endorphin Azura: Der EVO SL Woven läuft sich spürbar weicher als der Azura, der mehr direktes Feedback zum Untergrund gibt.
- New Balance FuelCell Rebel v4: Der Rebel v4 wirkt im Abdruck etwas stabiler, während der EVO SL Woven weicher abfedert und auf lockeren Läufen komfortabler ist.
Für den Wettkampf selbst würde ich persönlich eher zu einem etwas strafferen Schuh greifen – beispielsweise einem Modell mit Carbonplatte oder Energy Rods, das einen direkteren Vortrieb liefert.
Adidas Adizero EVO SL Woven - KEYFACTS
Gewicht: 188 g – Männer | 224 g – Männer (Mustergröße)
Sprengung: 6 mm (38,5 – 32 mm)
Kategorie: Daily Trainer | Tempo Trainer
Marke: Adidas
Preis: 150 €
Shop Empfehlungen*
Herrenmodell bei Adidas Damenmodell bei Adidas
Für wen ist der Adidas EVO SL Woven geeignet?
Der Adidas Adizero EVO SL Woven ist ein schlüssiges Update des regulären EVO SL, das sein Profil vor allem über das neue Obermaterial schärft. Mittelsohle und Außensohle bleiben unverändert auf einem soliden Niveau – wer den klassischen EVO SL mag, wird auch mit der Woven-Version gut zurechtkommen. Die straffere Passform des gewebten Uppers bietet besseren Halt, kann im Zehenbereich für empfindliche Füße aber zum Thema werden.
Im Vergleich mit anderen Tempotrainern wie dem Saucony Azura oder dem New Balance FuelCell Rebel v4 deckt der EVO SL Woven ein breites Tempospektrum ab: weich genug für lange Läufe, reaktiv genug für zügige Einheiten. Für ambitionierte Hobbyläuferinnen und Hobbyläufer, die einen flexiblen Trainingsschuh suchen und damit mehrere Geschwindigkeitsbereiche abdecken wollen, ist er eine gute Wahl. Für Wettkampfeinsätze auf längeren Distanzen würde ich allerdings zu einem strafferen Modell greifen.
Weitere Adidas Laufschuhe
Der Adizero EVO SL Woven wurde uns von Adidas kostenfrei zur Verfügung gestellt, dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt des Artikels.
*Affiliate Link





Bisher kein Kommentar