Der Agravic Speed Ultra gehörte im letzten Jahren zu den schnellsten Modellen im Trailbereich. Viel Dynamik, ein hoher Aufbau und ein sehr reaktives Laufgefühl haben ihn klar in die Performance-Ecke gestellt. Gleichzeitig war das Modell nie für jeden geeignet. Um den Speed Ultra sinnvoll nutzen zu können, war ein passender Laufstil, ausreichend Stabilität und idealerweise ein Aufsatz über Mittel- und Vorfuß erforderlich. In der zweiten Version hat adidas einige Punkte überarbeitet, die auf dem Papier logisch erscheinen und sich im Laufgefühl bemerkbar machen.
Einordnung im adidas Terrex Agravic Line-up
Adidas ist im Trailsegment inzwischen sehr gut aufgestellt. Innerhalb der TERREX Agravic Reihe gibt es klare Rollen. Der Agravic 4 ist der Allrounder für Training und Einstieg: ausgewogen und stabil. Der Agravic Speed 2 ist ein schnellerer, flacherer Schuh für kürzere Rennen und dynamische Einheiten mit einem Mix aus Lightstrike und Lightstrike Pro. Dazu kommt der Agravic TT als Modell für technischere Rennen mit mehr Schutz und Rockplate, der insgesamt breiter und kontrollierter ist.
An der Spitze steht der Agravic Speed Ultra 2 als klarer Performance-Schuh für ambitionierte Läuferinnen und Läufer, die maximale Dämpfung und Geschwindigkeit auf laufbaren Trails suchen. Er hat einen Aufbau von 42 Millimetern in der Ferse und 34 Millimetern im Vorfuß sowie eine Sprengung von 8 Millimetern. Das Gewicht beträgt etwa 265 Gramm in der Herren-Mustergröße US 9, der Preis liegt bei 230 Euro. Im Vergleich zur ersten Version hat adidas mehrere Updates vorgenommen. Ein neues Obermaterial, mehr Halt in der Ferse, eine leicht angepasste Lightstrike-Pro-Mischung und eine überarbeitete Continental-Außensohle mit tieferen, breiteren Stollen sollen den Schuh kontrollierter und vielseitiger machen, ohne den Fokus auf Geschwindigkeit zu verlieren.
Obermaterial und Passform – kompakter und kontrollierter
Das Upper ist eines der wichtigsten Updates: adidas nutzt ein Engineered Monomesh bzw. ein Ripstop-Mesh. Es ist dünn, atmungsaktiv und aufgrund der Ripstop-Struktur formstabil. In Kombination mit zusätzlichen Elementen sitzt der Fuß spürbar kompakter im Schuh als beim Vorgängermodell. Gerade im Mittelfußbereich entsteht mehr Halt, ohne dass der Schuh steif wirkt. Die Schutzelemente sind klassisch platziert: mit Zehenkappe und Overlays in den relevanten Zonen. Die geriffelten Schnürsenkel erleichtern das Justieren. Die Zunge wird über ein Band geführt und im Mittelfußbereich zusätzlich mit dem Obermaterial verbunden, sodass sie nicht verrutscht. Insgesamt wirkt das Obermaterial kontrollierter, ohne den Gedanken auf Leichtigkeit zu verlieren.
Im Vergleich zur ersten Version fällt auf, dass der Schuh in der Länge etwas großzügiger ausfällt. Meine normale Adidas-Größe passt hier gut, während der erste Speed Ultra eher knapp ausfallen konnte. In der Ferse bleibt der Aufbau minimalistisch, bietet aber mehr Struktur und etwas Polsterung. Das war beim Vorgänger sehr reduziert. Neu ist auch ein umlaufendes Overlay im Fersenbereich, das an ein Fersenband aus der Adizero-Linie erinnert. Dadurch steht man kompakter im Schuh. Ein Punkt, den man im Blick behalten sollte, ist die Zunge. Sie ist nach wie vor relativ kurz. Das ist nicht grundsätzlich problematisch, aber bei einem Lauf ist sie etwas nach oben gerutscht, wodurch an der Schnürung oben mehr Druck entstanden ist. Das lässt sich korrigieren, aber man sollte es wissen, wenn man sehr empfindlich am Spann ist.
Mittelsohle und Außensohle – Lightstrike Pro und Energy Rods für das Gelände
Der Aufbau der Mittelsohle bleibt grundsätzlich nah am Vorgänger. Die Basis bilden erneut zwei Schichten Lightstrike Pro. Im Vergleich zur ersten Version wirkt die Mischung etwas weicher. Ich würde sie zwischen dem extrem weichen Lightstrike Pro des Adios Pro 4 und der strafferen Abstimmung älterer Generationen wie dem Adios Pro 3 einordnen. Zwischen den Schichten befinden sich weiterhin die Energy Rods aus Kunststoff. Sie unterstützen den Vortrieb, geben dem Schuh Struktur und sorgen dafür, dass er im schnellen Abrollprozess stabiler bleibt.
Der Rocker ist sowohl im Vorfuß- als auch im Fersenbereich weiterhin stark ausgeprägt. Neu ist, dass das etwas weichere Material dazu führt, dass man minimal mehr einsinkt. Das klingt zunächst nach weniger Stabilität, ist hier aber tatsächlich von Vorteil. Der Schuh wirkt im Vorfußbereich weniger kippelig und etwas kontrollierter, gerade weil die Plattform im Mittelfußbereich recht schmal bleibt.Die Außensohle stammt weiterhin von Continental, wurde aber deutlich verändert. Anstelle vieler kleiner, verteilter Stollen setzt Adidas nun auf breitere, tiefer ausgeprägte Stollen in einem kompakteren Muster. Das Ziel ist mehr Halt auf nassen und matschigen Untergründen. In meinem Einsatz hat das gut funktioniert. Bei sehr tiefem Matsch stößt natürlich auch diese Sohle an ihre Grenzen, was aber für viele schnelle Race-Modelle gilt. Im Vergleich zur ersten Version wirkt die Traktion insgesamt sicherer, vor allem, wenn der Untergrund wechselhaft ist.
Laufgefühl – schneller, aber kontrollierter als der Vorgänger
Der Agravic Speed Ultra 2 ist und bleibt ein extrem flotter Trailschuh. Das Laufgefühl macht vor allem dann Spaß, wenn man das Setup voll ausnutzen kann. Die Updates sind sinnvoll gewählt. Der Sitz ist kompakter und der Halt im Schuh, gerade über den Mittelfuß und die Ferse, ist besser. Die Mittelsohle ist einen Tick weicher und damit kontrollierter. Vor allem im Vorfußbereich fühlt sich der Schuh weniger kippelig an. Man muss nicht jeden Schritt so bewusst setzen wie beim Vorgängermodell, sondern kann etwas leichter und flüssiger laufen. Trotzdem bleibt der Schuh anspruchsvoll. Idealerweise läuft man ihn über Mittel- und Vorfuß. Fersenlauf ist jetzt besser möglich als bei der ersten Version, allerdings bleibt die Ferse nicht das stabilste Element. Für ausgeprägte Fersenläufer ist das Setup daher weiterhin nicht optimal, vor allem, wenn es technisch wird oder die Muskulatur müde ist.
Der Einsatzbereich hat sich bei den Distanzen erweitert. Beim Vorgängermodell lag meine Grenze bei intensiven Einheiten vor allem bei etwa 90 Minuten. Die zweite Version bin ich ohne Probleme länger gelaufen, auch bei entspannteren Dauerläufen im Gelände. Das Sicherheitsgefühl ist höher und die Stabilität im Abrollprozess wirkt besser. Bei sehr langen Ultras hängt viel vom Laufstil und vom Niveau ab. Ambitionierte Läuferinnen und Läufer können damit sehr weit laufen. Für viele ist es aber sinnvoll, auch Alternativen aus dem Sortiment zu betrachten, etwa den Speed oder den TT, wenn man weniger Aggressivität und mehr Kontrolle sucht. Im Gelände sehe ich den Agravic Speed Ultra 2 weiterhin eher auf laufbaren Trails. Für extrem technisches Terrain ist er nicht die erste Wahl. Dafür gibt es mit dem TT ein passenderes Modell. Wer sehr sicher unterwegs ist und genau weiß, was er tut, kann ihn auch auf anspruchsvolleren Strecken einsetzen. Für die breite Masse bleibt er aber ein schneller Schuh für gut laufbare Profile.
adidas Terrex Agravic Speed Ultra 2 - KEYFACTS
Gewicht: 226 – Damen | 269 g – Herren (Mustergröße)
Sprengung: 8 mm (43 – 35 mm)
Kategorie: Trailrunning
Marke: Adidas
Preis: 230 €
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Fazit – gelungenes Update für ambitionierte Trailrunner
Adidas hat beim Agravic Speed Ultra 2 genau die Punkte nachgeschärft, die beim Vorgängermodell kritisiert wurden. Der Upper und der Fersenhalt sind deutlich stimmiger, die Mittelsohle wirkt harmonischer und der Vorfuß ist weniger kippelig. Dazu kommt eine Außensohle, die auf nassen und wechselhaften Untergründen für mehr Sicherheit sorgt. Trotzdem bleibt der Schuh ein Modell für eine spezielle Zielgruppe. Wer primär über die Ferse läuft, viel Stabilität benötigt oder sehr technische Trails bevorzugt, sollte sich eher im restlichen Agravic-Line-up umsehen.
Der hohe Preis macht nur dann Sinn, wenn der Schuh wirklich so eingesetzt wird, wie vorgesehen. Für schnelle Läufe, lange Tempoabschnitte und Rennen auf gut begehbaren Trails ist der Agravic Speed Ultra 2 aber ein sehr stimmiges Update. Er verzeiht etwas mehr als die erste Version, bleibt aber ein Performance-Schuh, der mit dem passenden Laufstil am meisten Spaß macht.
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Der Agravic Speed Ultra 2 wurde uns von Top4Running kostenfrei zur Verfügung gestellt, dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt des Artikels.
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