Die Neue Steifigkeit

Die Neue Steifigkeit

Der Läufermarkt erlebt aktuell mal wieder einen neuen Trend – Laufschuhe mit Karbonfaserplatten sollen uns Läufer zu neuen Bestzeiten verhelfen. Was steckt hinter diesen Laufschuhen und für wen sind sie eigentlich geeignet?

Dieser Artikel ist in Kooperation mit dem Laufmagazin aktiv Laufen in der Ausgabe 06/2019 erschienen. Die aktiv Laufen vermittelt den Lesern Spaß am Laufen. Erstklassige Beratung und jede Menge Tipps in Sachen Training, Outfit und Lauftechnik liefert das Team aus erfahrenen Läufern, Medizinern, Trainern und Journalisten alle zwei Monate. Weitere Informationen findest du unter www.aktiv-laufen.de.

Den Auftakt für die neue Laufschuhepoche hat Nike mit seinen Modellen zum Breaking 2 Projekt gesetzt. Unter Laborbedingungen und den passend dazu designten Nike Vaporfly 4% sollte 2017 auf der Rennstrecke in Monza die magische 2 Stunden Marke auf der Marathondistanz fallen. Bislang noch unerreicht – dieses Jahr geht Eliud Kipchoge in Wien mit der gleichen Zielsetzung auf die Rennstrecke. Am Fuß wird sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit wieder die neuste Auflage befinden, der Nike ZoomX Vaporfly Next%, mit dem er bereits den aktuellen Marathon Weltrekord über 2:01:39 in Berlin gelaufen ist. Ganz klar ist dabei eins: Wenn ein Konzept aufgeht und Läufer begeistern kann, dann werden auch andere Hersteller auf den Trend reagieren. So werden oft aktuelle Schuhreihen mit passenden Laufschuhmodellen mit dem extra Push nach Vorn erweitert. Z. B. hat nun Hoka One One mit dem Carbon X und ganz neu New Balance mit dem FueLCell 5280 Laufschuhe für Wettkämpfe am Pace Limit präsentiert. Zwar ohne Karbonfaserplatte, dafür mit einer ähnlichen Idee und einer Ausrichtung auf ein einfacheres Laufen hat auch Asics mit dem MetaRide einen sehr speziellen Laufschuh im Sortiment.

Nike Zoomx Vaporfly Next %
Nike Zoomx Vaporfly Next %

Harte Leichtigkeit

Simpel gedacht und eine Karbonfaserplatte in einen bestehenden Laufschuh stecken und fertig ist der neue Laufschuh. Doch das wäre natürlich zu einfach. Solche Modelle besitzen – wie allgemein komplette Neuentwicklungen von Laufschuhen – eine lange Entwicklungszeit im direkten Kontakt mit ProfiAthleten. Alle Elemente so eines Laufschuhs müssen auf einander abgestimmt werden, damit die Wirkung einer Karbonfaserplatte sich voll entfalten kann.

So steckt die Karbonfaserplatte in der Mittelsohle, wodurch das Zusammenspiel zwischen ihr und dem Dämpfungsmaterial dem Laufschuh seine speziellen Fähigkeiten verleiht. Bei Nikes Vaporfly Next% wird auf das eigens entwickelte ZoomX gesetzt, welches die Eigenschaft einer sehr hohen Energierückgabe von 85% besitzt. Zwei Schichten ZoomX Dämpfungsmaterial umschließen dabei die Karbonfaserplatte. Beim Carbon X von Hoka One One wird wiederum auf zwei Materialen gesetzt, HOKAs Director of Design Dr. Matthew Head beschreibt es so: „Die Carbon X Zwischensohle verwendet eine einzigartige ProFlyX Dual-Desity-Schaumkonstruktion, bestehend aus EVA-Schaum über der Karbonfaserplatte und einer reaktionsschnellen gummierten EVA-Mischung unter der Platte.“ Da es sich um Laufschuhe für den Wettkampf handelt, wird natürlich auch besonders auf das Gewicht geachtet. Beim Vaporfly Next% kommen daher sehr wenige Elemente auf der Außensohle zum Einsatz – nur an den nötigsten Stellen. Hoka One One geht dabei noch einen Schritt weiter und verwendet direkt ein gummiertes EVA Material in der untersten Schicht, für Grip und Gewichtseinsparung. Der Fokus auf Leichtigkeit zieht sich natürlich auch durch den Upper, so wird auf die leichtesten Materialen gesetzt und auch Polsterungen nur an den markanten Stellen verarbeitet. Im NB FuelCell 5280 ist ein Hypoknit Upper verarbeitet, was das NB Produktteam folgend beschreibt: „Das superleichte und funktionale Hypoknit Upper sorgt für einen maximalen Stretch, Flexibilität und Support, was sich optimal dem Fuß anpasst.“ Auch hier sitzt auf der verarbeiteten Karbonfaserplatte ein spezielles Dämpfungsmaterial, das FuelCell. Es soll für die höchste Energierückgabe von New Balance überhaupt sorgen. Interessant ist hierbei auch der Aufbau der Außensohle, denn der verwendete Dynaride-Gummi ist in einem Winkel von 6 Grad ausgerichtet und verbessert somit die Traktion beim Absprung.

Hoka One One Carbon X
Hoka One One Carbon X

Allgemein bekommen die Laufschuhe durch den Einsatz von Karbonfaserplatten eine große Steifheit und lassen sich nur minimal flexen. Somit entfernen sich der Nike Vaporfly Next % und der Hoka One One Carbon X eigentlich vom Ursprung von Wettkampfschuhen, denn da verfolgte man den Einsatz von viel Flexibilität und einen direkten Kontakt zum Boden. Jedoch bleibt der NB FuelCell 5280 durch seinen direkten und minimalistischen Aufbau wiederum dem Ursprung treu, denn seine Laufdistanz liegt bei mittleren Distanz-Läufen bis hin zu 10 Kilometern.

Wem dient der Schuh?

Wie bereits beschrieben sind diese Laufschuhe enorm steif, gepaart mit einer Dämpfung, die ein hohes Maß an Energierückgabe verspricht. Die Karbonfaserplatte verschafft einem Läufer somit einen Push Effekt beim Abrollverhalten im Vorfuß, sodass man wie von einer Sprungfeder nach Vorn getrieben wird. Dadurch wird das Laufen einfacher gestaltet und man läuft ohne Mehraufwand schneller. Das Nike Produktteam beschreibt die Technologie so: „Die Technologie ermöglicht es dem Läufer, seine eigene Laufergonomie zu verbessern. Bei gleicher Leistung wird dich der Schuh vorantreiben und somit schneller machen – um dieselbe Geschwindigkeit zu erreichen, benötigst du dafür weniger Energieeinsatz.“

Natürlich richtet sich dieser Vorteil auch nach dem Laufverhalten und der körperlichen Fähigkeit des Läufers. So werden vor allem Läufer, die im hohen Pace Bereich unterwegs sind, die Vorteile so eines Laufschuhs zu nutzen wissen. In erster Linie sind diese Laufschuhe für Läufer, die über Mittelfuß und Vorderfuß laufen konzipiert. Genau dann sorgen die Laufschuhe mit ihren Eigenschaften für ein effizientes Laufverhalten.

Zusätzlich verstärken die Modelle durch den Aufbau auch das automatische Abrollen über Mittel- und Vorfuß. Unterstützung beim Abrollverhalten verspricht auch Hoka One One durch den Meta-Rocker: „Der Meta-Rocker ist für eine Vielzahl von Füßstößen ausgelegt. Vorfuß- und Mittelfußstöße können gut durch den Zehenspitzenbereich angetrieben werden, aber die Geometrie des Laufschuhs ist so konzipiert, dass sie den Bewegnungsablauf sanft durchläuft, egal wo ein Athlet zum ersten Mal aufkommt.“ So streckt sich das Einsatzgebiet von 5 Kilometer Wettkämpfen bis hin zu 100 Kilometern und darüber hinaus. Aus eigener Erfahrung hat mir so ein Laufschuh besonders bei Kilometer 36 auf der Marathon-Distanz geholfen. Die Marathon-Läufer wissen, da kommt der Mann mit dem Hammer. Die Konstruktion mit der Karbonfaserplatte gab mir an dem Punkt, als die Muskeln immer müder wurden, eine gewisse Führung für ein sicheres Finish beim Marathon. Wiederum richtet sich der New Balance FuelCell 5280 für die kurzen Einheiten wie Road Miles und Läufer die eine Meile unter 5:30 Minuten laufen können. Die 5280 im Namen ist dabei kein Zufall, denn 5280 Füße als Längeneinheit ergeben eine Meile.

New Balance Fuelcell 5280
New Balance Fuelcell 5280 – Bild @ New Balance

Bessere Laufökonomie

Genau da liegt das Ziel vom Asics MetaRide. Durch den geschwungenen Aufbau könnte man den Einsatz einer Karbonfaserplatte vermuten, aber es befindet sich keine in der Mittelsohle. Mit Hilfe des Aufbaus soll das Laufen einfacher und effizienter gestaltet werden, somit werden die Muskeln weniger beansprucht. Das soll Läufer unterstützen, weite Distanzen einfacher laufen zu können. Somit richtet sich der Laufschuh nicht an neue Bestzeiten, sondern viel mehr an Einsteiger. Jedoch unterstützt er natürlich auch schnelle Läufer bei entspannten Einheiten, wie zum Beispiel bei Regenerationsläufen.

Asics MetaRide
Asics MetaRide

Ausblick

In meinen Augen ist diese Entwicklung ein sehr spannendes Thema und wir können uns sehr darauf freuen, was uns in den kommenden Monaten erwartet. Ich bin mir sicher, dass weitere Hersteller interessante Modelle präsentieren werden. Allgemein wird dabei auch das Thema Nachhaltigkeit ein größere Rollen spielen, wie bereits in vielen Bereichen in der Lauf Industrie, da aktuelle Modelle noch ein sehr begrenzte Lebensdauer besitzen. Man geht von ca. einem Drittel der Lebensdauer von normalen Laufschuhen aus, bis sich der Effekt von der Karbonfaserplatte ausgelaufen hat. Falls Sie interessiert sind und nicht ganz die Kipchoge Pace laufen können, dann lohnt sich auf jeden Fall auch ein Blick auf verwandte Modelle der jeweiligen Hersteller. Die besitzen ähnliche Eigenschaften und können auch uns Hobbyläufer unterstützen, neue Bestzeiten auf der Lieblingsrunde oder im Wettkampf zu erreichen.

Saucony Triumph 17
Vorheriger Beitrag
Saucony Triumph 17 im Test
Stance Laufsocken
Nächster Beitrag
Stance Laufsocken

Bisher kein Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Zurück
Teilen

Die Neue Steifigkeit