Mit der ACG-Linie hat Nike einen klaren Schritt in Richtung funktionelles Trailrunning gemacht und den klassischen Nike-Trail-Ansatz zugunsten eines technischeren, performanceorientierten Auftritts hinter sich gelassen. Der ACG Ultrafly 2 ist das Flaggschiff dieses Segments: ein Trail-Racer mit Carbon, ZoomX und Vibram-Außensohle, der Geschwindigkeit auf wechselnden Untergründen verspricht.
Nike ACG Ultrafly 2: Einordnung im Nike Trail-Line-up
Der Ultrafly 2 ist die zweite Generation eines Modells, das bereits beim Vorgänger auf Geschwindigkeit und einen roadnahen Charakter setzte. Die neue Version geht in dieselbe Richtung, bringt aber ein robusteres Obermaterial, mehr Material in der Mittelsohle und eine breitere Plattform mit. Im Nike-Line-up ergänzt ihn der kommende Pegasus Trail als Gravel-Option und der Zegama als komfortbetontes Gegenstück mit maximaler Dämpfung für den Trail. Der Preis liegt bei 250 Euro. Der Vorfußstack beträgt 28,5 mm, die Ferse 37 mm, woraus eine Sprengung von 8,5 mm resultiert. Die Profilhöhe liegt bei 3 mm. Das Gewicht beträgt 287 Gramm in EU 44.
Obermaterial & Passform: Robuster, aber schmal
Das neue Obermaterial ist strukturierter und technisch anspruchsvoller als das des Vorgängermodells. Ein robustes Mesh-Material zieht sich über den gesamten Schuh. Darauf sitzen einzelne Gummielemente, die nicht nur zum Design beitragen, sondern auch die Haltbarkeit spürbar verbessern. Zunge und Fersenpartie sind mit ausreichend Material ausgestattet, wodurch sich der Schuh deutlich von einem reinen Leichtbau-Racer unterscheidet. Die Atmungsaktivität ist in Ordnung, bei sommerlichen Temperaturen könnte es im Inneren allerdings etwas warm werden. Die Schnürung sitzt gut und lässt sich kompakt auf den Fuß zuschnüren. Dadurch ist der Lockdown im Mittelfuß sehr sicher. Die Passform ist eher für schmale Füße geeignet. Für sehr breite Füße könnte der Schuh, gerade auf langen Distanzen, zu eng ausfallen. Meine übliche Nike-Größe hat problemlos gepasst. Ein Kritikpunkt ist die fest eingeklebte Einlegesohle. Wer eine eigene Einlage benötigt, muss mit erheblichem Aufwand rechnen.
Mittelsohle – ZoomX und Carbon
In der Mittelsohle ist Nike ZoomX in zwei Schichten mit unterschiedlichen Dichten verbaut: eine reaktivere innere Lage und eine robustere äußere Schicht, die Schutz vor rauem Untergrund bietet. Das ist eine sinnvolle Lösung, da ZoomX grundsätzlich anfällig ist und für den Trailbetrieb zusätzlichen Schutz benötigt. Die Plattform ist im Vergleich zum Vorgängermodell breiter, was im Stand und beim Laufen für mehr Stabilität sorgt. Die Carbonfaserplatte ist nicht vollständig durchgezogen und im Vorfuß gesplittet, trotzdem ist sie extrem steif. Dies ist der dominierende Charakter des Schuhs und bestimmt das gesamte Laufgefühl. Der Rocker im Vorfuß ist vorhanden, aber nicht aggressiv ausgebildet, wodurch sich der Schuh auch auf befestigten Abschnitten gut rollen lässt.
Außensohle & Grip – Vibram Megagrip
Die Außensohle stammt von Vibram und ist eine Lightbase-Mischung mit dreieckigen, spitzen Stollen in der Mitte und gerade geschnittenen Außenstollen. Auf Fels, nassem Gestein und Holz greift sie zuverlässig. Auf schlammigem Untergrund stoßen die vergleichsweise kurzen Stollen mit einer Profilhöhe von 3 mm an ihre Grenzen, was bei dem Einsatzprofil dieses Schuhs aber einkalkuliert ist.
Laufgefühl: Stark auf Schotter, limitiert im Singletrail
Die einzelnen Komponenten sind gut gewählt und im Vergleich zum Vorgängermodell merklich weiterentwickelt. Das Obermaterial ist robuster, die Mittelsohle höher und breiter, wodurch das Gesamtpaket reifer wirkt. ZoomX dämpft auf dem Trail sehr gut und bietet trotzdem genügend Antrieb, um auch bei einer Pace von 4:40 min/km flott voranzukommen. Was den Schuh jedoch einschränkt, ist die extreme Steifigkeit der Carbonplatte. Auf rollbaren, festen Untergründen funktioniert dies gut und ermöglicht es, über längere Distanzen hinweg ein konstantes Tempo zu halten. Auf technischen Singletrails fehlen dagegen Agilität und Bodenfeedback. Man rollt eher darüber, als dass man den Untergrund wirklich spürt oder darauf reagieren kann. Wer mit steifen Schuhen nicht vertraut ist, wird außerdem feststellen, dass die Waden- und Oberschenkelmuskulatur stärker beansprucht wird als gewohnt.
Der Schuh funktioniert über ein breites Geschwindigkeitsspektrum und ist auch für ruhigere Einheiten bei 5:30 min/km grundsätzlich geeignet. Was dem Schuh fehlt, ist eine klare Positionierung. Für maximale Trailgeschwindigkeit gibt es direktere Optionen, zum Beispiel den Adidas Terrex Speed Ultra 2. Für einen ausgewogenen Allrounder mit besserer Rückmeldung ist der On Cloudultra Pro besser geeignet und wer maximale Dämpfung sucht, ist mit dem Zegama besser bedient, der trotz Carbon-Element weniger steif läuft.
Nike ACG Ultrafly 2 - KEYFACTS
Gewicht: 225 g – Damen | 287 g – Männer (Mustergröße)
Sprengung: 8,5 mm (37 – 28,5 mm)
Kategorie: Trailrunning
Marke: Nike
Preis: 250 €
Fazit – Für wen ist der Nike ACG Ultrafly 2 geeignet?
Der Nike ACG Ultrafly 2 ist ein solider Trail-Racer mit guten Einzelkomponenten. Er zeigt seine Stärken auf langen, rollbaren Untergründen bei hohem Tempo. Das überarbeitete Obermaterial, die breitere Plattform und die Vibram-Außensohle stellen klare Verbesserungen gegenüber dem Vorgängermodell dar. Aufgrund der extremen Steifigkeit der Carbonplatte ist er auf technischen Trails jedoch wenig agil und setzt voraus, dass man mit dieser Art von Schuh umgehen kann. Für 250 Euro wäre eine klarere Positionierung wünschenswert. Wer einen geschwindigkeitsorientierten Trail-Racer für moderate bis schnelle Einheiten auf festerem Untergrund sucht, wird mit diesem Schuh zurechtkommen. Wer technisches Gelände, maximale Agilität oder einen echten Allrounder sucht, schaut sich besser anderweitig um.
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