Nike Alphafly 4 seitliche Ansicht Carbon-Racer

Nike Alphafly 4 im Test: Leichter, smoother, günstiger

Leichter, reaktiver und günstiger: Das bringt der Nike Alphafly in der vierten Version mit. Weiterhin ist er der Wettkampfschuh von Nike, der mit seinem speziellen Design seit Jahren im Fokus steht. Wie sich die vierte Auflage auf der Straße schlägt, zeigt dieser Test.

Nike Alphafly 4: Einordnung im Nike Line-up

Seit seiner ersten Version gehört der Alphafly zu den markantesten Racern auf dem Markt, vor allem durch die Air-Zoom-Kissen im Vorfuß, die auch weiterhin fester Bestandteil sind. Über die Jahre hat sich der Schuh vom radikalen Racer zu einem zugänglicheren Modell entwickelt. Bei der vierten Version setzt Nike nicht auf ein Redesign, sondern auf ein gezieltes Update. Laut Nike ist der Schuh insgesamt 5 Prozent leichter und bietet 10 Prozent mehr Energierückgabe. Möglich macht das vor allem das neue ZoomX LT, das nun als obere Schicht zum Einsatz kommt. Hinzu kommen eine breitere Flyplate aus Carbon für mehr Stabilität und eine leicht aggressivere Rocker-Geometrie im Vorfuß. Verbaut ist das alles bei 39 mm Fersenhöhe, 31 mm im Vorfuß und 8 mm Sprengung. Das Gewicht liegt in EU 42,5 bei 208 Gramm, der Preis sinkt um 30 Euro auf 280 Euro.

Vor Kurzem hat Nike außerdem den Apex vorgestellt und damit ein Modell oberhalb des Alphafly platziert. Sein Aufbau erinnert an den Alphafly, bringt aber doppelte Air-Zoom-Kissen im Vorfuß und eine Mittelsohle komplett aus ZoomX LT mit. Entwickelt wurde er für die Elite, der Preis liegt bei 350 Euro, der Release ist für das Frühjahr geplant.

Nike Alphafly 4 ZoomX LT obere Schicht Air-Zoom-Kissen Detail

Atomknit-Upper und Passform: Im Detail optimiert

An den Grundlagen hat Nike beim Upper wenig verändert, im Detail gibt es aber einige Optimierungen. Grundlage ist weiterhin Atomknit, das leicht und flexibel ist und kaum Flüssigkeit aufnimmt. Unter den Zehen sitzt eine leichte Verstärkung, im Mittelfuß sorgen zusätzliche Bändchen für einen besseren Lockdown. Aus einem strukturierteren Knit besteht die Zunge, in die die Ösen eingelassen sind. Das ermöglicht eine sehr gute Anpassung an den Fuß. Am Abschluss ist die Ferse geschmeidig gepolstert. Die Passform ist unverändert, meine typische Nike-Größe passt gut. Insgesamt ist das Upper recht minimalistisch, sehr ausgereift und gegenüber der dritten Version etwas optimiert. Ein großer Sprung ist es sicher nicht, für mich aber sehr komfortabel.

Nike Alphafly 4 Atomknit-Upper Knit-Zunge eingelassene Ösen

Mittelsohle: ZoomX LT, Air Zoom und breitere Flyplate

Auch in der Mittelsohle hält Nike am Setup aus ZoomX, Air-Zoom-Pods und Carbon-Flyplate fest. Im Inneren steckt aber das größte Update der vierten Version. Als obere Schicht kommt nun eine Mischung namens ZoomX LT zum Einsatz, die laut Nike 17 Prozent leichter ist, 8 Prozent mehr Energierückgabe bietet und vor allem etwas weicher ausfällt. Unten bleibt das ZoomX des Vorgängers. Gemeinsam bringen beide Schichten viel Dämpfung und Reaktivität mit.

Gefertigt werden die beiden Air-Zoom-Kissen nun im RF-Schweißverfahren, wodurch sie etwas leichter geworden sind. Zusammen wirkt sich das positiv auf das Gewicht aus, auch wenn der Alphafly weiterhin nicht in die Leichtgewichtsklasse der Carbon-Racer fällt. Außerdem sollen die Kissen etwas leiser sein als beim Vorgänger. Wer schon einmal einen Alphafly gehört hat, kennt das markante Geräusch. Im Vorfuß ist die Flyplate breiter geworden, was mehr Stabilität bringt, insgesamt ist die Basis des Schuhs etwas breiter. Dazu kommt ein aggressiverer Schwung in der Rocker-Geometrie, der aber nicht ins Extreme geht.

Damit verspricht das Gesamtpaket weiterhin viel Tempo, nur in einer smootheren Verpackung. Das weichere ZoomX LT macht das Abrollen angenehmer, die Air-Zoom-Pods sorgen weiterhin für den speziellen, reaktiven Abdruck.

Außensohle: Unverändert, aber zuverlässig

Beim Design der Außensohle gibt es keine Änderung zur dritten Version. Im Vorfuß deckt eine leichte Gummimischung die Lauffläche ab. Im Mittelfuß liegt das ZoomX offen, und durch eine große Aussparung sieht man direkt auf die Carbonplatte. An der Ferse sind zwei kleine Gummipads ins ZoomX eingelassen. Der Grip funktioniert gut, auch auf nassem Pflaster hatte ich keine Probleme mit dem Halt.

Nike Alphafly 4 breitere Flyplate Carbon Mittelfuß Aussparung

Laufgefühl: Smoother bei gleicher Alphafly-DNA

Auf dem Papier mögen die Anpassungen klein klingen, spürbar sind sie aber ab dem ersten Schritt. An meinem schmalen Fuß sitzt das Upper nochmal besser, gerade im Mittelfuß wirkt der Schuh wie aus einem Guss. Ich musste zwar einige Male nachschnüren, auch nach vielen Kilometern gibt es an der Passform aber nichts auszusetzen. In der Kombination aus Sicherheit, Komfort und Leichtigkeit ist das Upper damit sehr gut für den Marathon geeignet.

In der Mittelsohle bringt das weichere ZoomX LT eine spannende Komponente mit. Dass es reaktiver ist, spürt man nicht direkt, es fühlt sich beim Laufen aber einfach besser an. Man sinkt etwas mehr in den Schuh ein, wodurch das Laufgefühl harmonischer und weniger kantig wird. Flyplate und Air-Zoom-Kissen begrenzen das Einsinken ohnehin, das Laufgefühl wird aber smoother, gerade wenn man nicht bei jedem Schritt gezielt über den Vorfuß aufkommt. Genau darin liegt die Ausrichtung auf eine breitere Zielgruppe, die Nike beim Alphafly sieht.

Trotzdem macht es beim Alphafly einen Unterschied, wo man den Schuh trifft. Damit die Reaktivität der Air-Zoom-Kissen zum Tragen kommt, ist aus meiner Sicht ein aktiver Laufstil wichtig. Rollt man nur über die Kissen, fällt das Gefühl in meinen Augen etwas ab. Damit passt der Schuh zu hohen Geschwindigkeiten und zum Wettkampf. Hörbar sind die Air-Zoom-Kissen weiterhin, aber etwas leiser als bei der dritten Version.

Beim Halbmarathon habe ich den Schuh im Dauerregen getragen, und er hat mich nicht enttäuscht. Neben den beschriebenen Eigenschaften bekommt man das typische Alphafly-Gefühl: Hat man seine Pace gefunden, unterstützt einen der Schuh dabei, sie so lange zu halten, wie der Körper mitmacht. Auch der Regen hat dem Grip nichts ausgemacht.

Ein paar Dinge sollte man neben dem Aufsatz aber beachten. Für Fersenläufer finde ich ihn nicht optimal, da das ZoomX in der Ferse zu sehr leidet. Durch die kompakte Bauweise mit den Air-Zoom-Kissen ist er zudem weniger agil als andere Carbon-Racer. Wer mehr Agilität oder einen aggressiveren Racer sucht, ist mit dem Vaporfly besser beraten. Ideal ist der Alphafly 4 damit für Wettkämpfe vom Halbmarathon bis zum Marathon.

Alphafly 4 vs. Vaporfly, Apex, Fast-R 3 und Adios Pro 5

Im Nike Line-up sitzt der Alphafly 4 nun zwischen Vaporfly und Apex. Der Vaporfly ist agiler und aggressiver, der Alphafly bietet mehr Führung und das markante Air-Zoom-Gefühl. Oberhalb positioniert Nike den Apex mit doppelten Air-Zoom-Kissen und einer Mittelsohle komplett aus ZoomX LT, der sich mit 350 Euro an die Elite richtet.

Der Puma Fast-R 3 ist um einiges aggressiver und nochmal leichter, das spürt man. Sein Abdruck ist intensiver, was sich aber auch auf die Muskulatur auswirkt. Hier ist der Alphafly schonender.

Beim Saucony Endorphin Elite 3 haben beide Modelle ein hohes Komfortlevel für die Kategorie. Der Elite 3 kommt mehr über den Schaum und bringt dadurch sehr viel Bounce mit. Beim Alphafly ist das Laufgefühl durch die Air-Zoom-Kissen straffer, ebenso der Abdruck.

Adidas Adizero Adios Pro 5 und Alphafly 4 gehören beide zu den etablierten Carbon-Racern, sind in den aktuellen Versionen aber sehr unterschiedlich aufgebaut. Beim Adios Pro 5 dominiert das Lightstrike Pro den Abdruck im Vorfuß. Das Energyrim gibt zwar Stetigkeit, ist im Laufgefühl aber nicht so markant wie die Air-Zoom-Kissen beim Alphafly. Außerdem ist der Adios um einiges schmaler geschnitten, für mich ist der Alphafly komfortabler.

GEWICHT ♂ 208 g
GEWICHT ♀ 168 g
SPRENGUNG 8 mm
FERSENHÖHE 39 mm
PREIS UVP 280 €
Alphafly 4

Nike Alphafly 4

4.5/5

Vorteile

  • Leichter durch ZoomX LT und RF-geschweißte Air-Zoom-Kissen
  • Weicheres, harmonischeres Laufgefühl durch ZoomX LT
  • Mehr Stabilität durch breitere Flyplate und Basis
  • Ausgereiftes, komfortables Upper mit verbessertem Lockdown
  • Zuverlässiger Grip, auch bei Nässe
  • Preis um 30 Euro auf 280 Euro gesenkt

Nachteile

  • Weniger agil als leichtere Carbon-Racer
  • Air-Zoom-Kissen weiterhin hörbar
  • Nicht in der Leichtgewichtsklasse unter den Carbon-Racern

Für wen ist der Nike Alphafly 4 geeignet?

Nike hat den Alphafly gezielt verbessert. Statt einer Revolution gibt es ein gelungenes Update, das den Schuh leichter und stabiler macht. Weiterhin überzeugt er mit seinem markanten Laufgefühl, durch das ZoomX LT ist die Mittelsohle besser abgestimmt, was mir gut gefällt. Ideal ist er für Halbmarathon bis Marathon. Beim Gewicht kommt er nicht an Modelle um 150 Gramm heran, dafür überzeugt er mit Funktionalität und vor allem mit mehr Führung, was beim Marathon einen entscheidenden Unterschied machen kann. Auch der geringere Preis von 280 Euro tut ihm gut. Wer noch einen frischen Alphafly 3 hat, muss sicher nicht direkt upgraden, das Update spürt man beim Laufen aber und es verbessert das Laufgefühl des Alphafly.

Über den Autor

Bild von Jan Lau

Jan Lau

Jan ist ein leidenschaftlicher Läufer aus Dresden und dabei spielt es keine Rolle, ob 5k durch die Stadt ballern oder auf Ultratrails im Gebirge. Er schreibt regelmäßig für Laufmagazine über Laufschuhe. Außerdem ist er Co-Founder der Dresdner Running Crew PACE KILLERS.

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