
Mit der zweiten Version des Cloudboom Strike schärft On das Profil seines Carbon-Racers für den Wettkampf. Neu sind die Mittelsohlentechnologie Cloudtec Sphere, ein neues Upper und ein leichterer Aufbau mit Fokus auf Effizienz über alle Wettkampfdistanzen.
Mir persönlich hat die erste Version gut gefallen. Sie war schnell und hatte ein direktes Laufgefühl, für längere Wettkämpfe ab dem Halbmarathon war sie aber nicht mein Favorit. Genau hier setzt On an und legt den Fokus beim Strike 2 auf Effizienz bis zur Marathondistanz. Dafür hat der Carbon-Laufschuh ein großes Redesign erhalten: ein neues Upper mit strukturiertem Mesh, eine neue Helion-HF-Mischung in der Mittelsohle mit mehr Energierückgabe und Cloudtec Sphere im Vorfuß. Die Standardvariante wiegt 191 Gramm, hat 40 mm Fersenhöhe und 5 mm Sprengung und kostet 250 Euro. Zusätzlich gibt es eine LightSpray-Version für 310 Euro, die nur 158 Gramm wiegt.

Durch das Upper zieht sich ein gewebtes Mesh, das passend zur Kategorie dünn und luftig verarbeitet ist. Bei der Zunge kommt ein klassischeres Mesh mit gut gesetzten Polsterungen zum Einsatz, sodass bei der Schnürung kein Druck entsteht. Angenäht ist die Zunge nur unter den ersten beiden Ösen, verrutscht beim Laufen aber trotzdem nicht. Von der Schnürung ziehen sich dünne Elemente über den Mittelfuß, die dem Upper Struktur geben. Am Übergang zur Ferse sorgen gute Polsterungen für einen bequemen Sitz, positiv ist auch, dass die Ferse nicht zu steif ist. In der Länge hat meine typische On-Laufschuhgröße gut gepasst. Auffällig ist die nicht zu schmale Passform im Vorfuß, für einen Wettkampfschuh fällt sie relativ großzügig aus.

Helion HF kennt man vom Vorgänger und aus Modellen wie dem Cloudmonster 3 Hyper. Beim Strike 2 kommt eine neue Mischung zum Einsatz, weiterhin auf PEBA-Basis, aber mit höherem PEBA-Anteil. Laut On ist sie rund 15 Prozent leichter und reaktiver, also passend für höhere Geschwindigkeiten. Zwischen den Schaumschichten sitzt ein Speedboard aus Carbon, das sehr steif ausfällt und den Abdruck unterstützt. Eine Besonderheit ist die obere Schicht aus Helion HF: Sie lässt sich herausnehmen, ist aber Teil des Mittelsohlenaufbaus. Eine eigene Einlage kann man deshalb nicht nutzen, ohne das Setup des Schuhs zu verändern.
Neu ist das Design im Vorfuß. On verabschiedet sich komplett von den klassischen Cloudtec-Elementen und setzt auf Cloudtec Sphere. Zwei gezielte Cut-Outs in der Mittelsohle schaffen einen definierten Hohlraum direkt unter dem Vorfuß. Beim Auftreten verformt sich das Helion HF unter Druck in diesen Raum, federt kontrolliert zurück und gibt die gespeicherte Energie gleichmäßig frei. Im Unterschied zur klassischen Schaumkompression läuft die Verformung immer in denselben Raum, statt beliebig nach außen zu gehen, was für eine konsistentere Energierückgabe von Schritt zu Schritt sorgen soll.
Für Stabilität bei höherem Tempo sorgt das Zusammenspiel aus Sphere-Geometrie und dem gebogenem Carbon-Speedboard. Gemeinsam führen diese Elemente den Fuß geradliniger und reduzieren seitliche Bewegungen, auch wenn das Tempo steigt. Dazu kommt ein Rocker, der nicht zu aggressiv ausfällt und unter Druck etwas abflacht. Das passt zum kontrollierten Laufgefühl bei längeren Wettkämpfen.
Bei der Außensohle geht On einen Weg, den man aktuell bei Wettkampfmodellen selten sieht. Sie ist über die komplette Länge gezogen, und der Gummi hat eine ordentliche Stärke. Das Ergebnis ist wenig Verschleiß und guter Grip, der auch bei Nässe funktioniert. Sicher hätte man hier noch ein paar Gramm einsparen können, zu beanstanden gibt es aber nichts.

Die Updates spürt man auf der Strecke, vor allem im Vergleich zum Vorgänger. Das Laufgefühl ist um einiges kontrollierter, sicherer und weniger aggressiv. Man bekommt beim Laufen eine gewisse Führung und im Abdruck den passenden Push nach vorn, ohne dass der Schuh ins Extreme geht. Hier macht sich der moderate Rocker bemerkbar. Ausgelegt ist der Strike 2 damit auf das konstante Halten einer Pace: Man pendelt sich in seiner Geschwindigkeit ein, und der Schuh unterstützt dabei. Auffällig ist der komfortable Aufbau, die Ferse sitzt bequem und auch der nicht zu schmale Fit vermittelt kein übermäßig aggressives Gefühl am Fuß. Wie eingangs erwähnt verschiebt sich das direkte, snappy Laufgefühl des Vorgängers damit zu einem kontrollierten Wettkampfschuh.
Grundsätzlich ist die Stabilität für die Kategorie sehr gut, das sollte man aber einordnen. Ein Racer für jedermann ist der Strike 2 nicht. Ideal ist er für Mittel- und Vorfußläufer. Auf der Marathondistanz verzeiht er hinten raus bei müden Muskeln zwar ein paar Schritte über die Ferse, für Fersenläufer bleibt er aber weniger geeignet.

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich der Charakter deutlich verschoben. Die erste Version war schnell, direkt und snappy, auf längeren Distanzen ab dem Halbmarathon aber weniger angenehm. Beim Strike 2 stehen Kontrolle, Führung und Komfort im Vordergrund, wodurch er auf der Marathondistanz klar besser funktioniert. Wer das direkte Gefühl des Vorgängers für kürzere Wettkämpfe geschätzt hat, sollte wissen, dass dieser Biss etwas zurückgenommen wurde.
Beim Adidas Adizero Adios Pro 5 liegen beide Schuhe auf dem Papier nah beieinander. Mit seinen zwei Lightstrike-Pro-Schichten und dem Energyrim bringt der Adios Pro 5 deutlich mehr Bounce mit und ist etwas weicher. Dafür ist der Cloudboom Strike 2 kontrollierter und robuster, vor allem bei der Außensohle. Beim Adios Pro 5 liegt das Lightstrike Pro im Vorfuß an der Außenseite frei, beim On ist der Gummi über die komplette Länge gezogen.
Beim New Balance SC Elite v6 sind Stabilität und Komfort recht ähnlich. Beide Schuhe richten sich an Läufer, die einen kontrollierbaren Racer für lange Distanzen suchen. Unterschiede gibt es bei der Sprengung: Mit seinen 5 mm wirkt der Strike 2 etwas aggressiver und fordert einen aktiveren Laufstil über Mittel- und Vorfuß.
Der Puma Fast-R 3 ist ein sehr aggressiver Carbon-Racer und hebt sich damit klar vom Strike 2 ab. Schritte über die Ferse verzeiht er gar nicht, wer ihn läuft, muss den Vorfußlaufstil über die gesamte Distanz halten. Im Vergleich ist der On um einiges zugänglicher und stabiler, gerade wenn die Muskulatur auf den letzten Kilometern eines Marathons ermüdet.
Der Cloudboom Strike 2 ist ein gelungenes Update mit klarer Ausrichtung auf Langdistanzen im Wettkampf, wenn man sich ein kontrolliertes Laufgefühl wünscht. On hat das Helion HF gut abgestimmt. Hervorzuheben sind das Komfortlevel für einen Schuh dieser Kategorie und die Langlebigkeit, dazu kommt der Preis von 250 Euro, der das Gesamtpaket stimmig macht. Wer es leichter möchte, greift zur LightSpray-Version. In die Spitzengruppe würde ich ihn trotzdem nicht einordnen, dafür fehlt noch etwas an Geschwindigkeit. Dafür ganz klar der schnellste Cloudboom von On bisher.