
Endorphin Elite 3 ist das Flaggschiff in Sachen Geschwindigkeit bei Saucony. Trotz des großen Angebots an Carbon Racern bleibt der Elite speziell, was vor allem an der extrem weichen Mittelsohle liegt, die nicht nur hervorragend dämpft, sondern konsequent auf maximale Geschwindigkeit ausgelegt ist. In der dritten Version hat Saucony an einigen Stellen nachgeschärft, hält dabei aber an der DNA des Vorgängers fest.
Bereits die erste Auflage zeigte klar, wohin die Reise mit diesem Schuh gehen soll. Rocker, Upper und das gesamte Design waren von Beginn an auf Geschwindigkeit ausgelegt, vor allem das extrem weiche IncrediRun in der Mittelsohle bestimmt den Charakter des Wettkampfschuhs. Genau daran hält Saucony auch in der dritten Version fest, optimiert aber Details wie die Aussparungen in der Mittelsohle, eine steifere Carbonplatte und das Upper. Ziel ist ein stabileres und gleichzeitig nochmals schnelleres Laufgefühl.
Bei der Bauhöhe schöpft Saucony das Maximum aus: Fersenhöhe 39,5mm, Sprengung 8mm. In der Herrenmustergröße wiegt der Schuh 204 Gramm, damit nicht das leichteste Modell in dieser Kategorie, verspricht aber trotzdem maximale Dämpfung bis hin zum Marathon im Wettkampf. Preislich liegt er bei stolzen 320 Euro.

Optisch fällt das Upper weniger futuristisch aus als bei den beiden Vorgängern, bringt die Eigenschaften aber trotzdem auf den Punkt: leicht, atmungsaktiv und für einen Carbon Racer außergewöhnlich komfortabel. Verwendetes Mesh fühlt sich angenehm geschmeidig an und passt sich ideal dem Fuß an, vorhandene Overlays wirken sich kaum negativ auf die Struktur aus. Zunge besteht aus Knit-Material, was das Hineinschlüpfen sehr leicht macht, für die Schnürsenkel gibt es eine Lasche zum Verstauen.
Knit-Material der Zunge geht direkt in die Ferse über, nur am Fersenrücken sitzt eine Polsterung, eine klassische Fersenkappe gibt es nicht, wie man es bereits von den Vorgängern kennt. Trotzdem sitzt man in der Ferse kompakt im Schuh. Passform fällt nicht zu schmal aus, was bei Wettkampfschuhen sonst häufig der Fall ist, insgesamt bleibt der Gesamteindruck komfortabel und leicht am Fuß. Anpassung an den Fuß funktioniert außerdem nochmal besser als beim Vorgänger.

Bereits bei der zweiten Auflage zählte IncrediRun Foam in der Mittelsohle zu einem der besten Schäume am Markt, in Sachen Dämpfung und Reaktivität, jetzt nochmal etwas weicher abgestimmt. Verpackt in einem extrem weichen Laufgefühl, das dem Schuh seine Einzigartigkeit verleiht, entsprechend sinkt man deutlich in den Schuh ein. Gegen dieses Einsinken steuert die Carbonfaserplatte, die Stabilität und Antrieb nach vorn liefert und in dieser Version nochmal steifer geworden ist. Auffällig ist zudem, dass der äußere Cut-out in der Mittelsohle verschwunden ist, jetzt gibt es nur noch eine kleine Aussparung im Bereich des Mittelfußes. Rocker bleibt weiterhin stark geschwungen, was das dynamische Laufgefühl unterstreicht.
Wegfall des Cut-outs reduziert das seitliche Wegdriften bei der weichen Mittelsohle spürbar, was den Schuh insgesamt etwas stabiler macht, gerade weil man deutlich einsinkt. Trotzdem bleibt der Elite 3 ein Racer für Läuferinnen und Läufer mit Laufstil über Mittel- beziehungsweise Vorfuß, das sollte man einplanen. Ein paar Kilometer über die Ferse gegen Ende eines Marathons verzeiht der Schuh zwar, mehr als der Vorgänger, wer aber grundsätzlich über die Ferse läuft, sollte eher zu einem stabileren Racer greifen.
Saucony setzt weiterhin auf die PWRTRAC-Mischung, bekannt aus vielen Saucony-Modellen. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Materialeinsatz nochmal reduziert worden, statt größerer Pads kommen jetzt einzelne Elemente zum Einsatz. Grip auf festen Untergründen bleibt dadurch sehr gut, gleichzeitig liegt mehr vom weichen IncrediRun offen, was das Material anfälliger für kleine Steine und ähnliche Fremdkörper macht. Damit bleibt der Elite 3 klar ein Schuh für die Stadt.

Bereits die zweite Auflage zählte für mich zu den besten Racern des letzten Jahres, einige Verbesserungspunkte gab es dennoch, genau dort hat Saucony angesetzt. Neue Version wirkt weniger wild, relativ klassisch, funktioniert dabei aber nochmal besser: komfortabel, leicht und gut anpassbar. Auffällig ist vor allem das Mehr an Stabilität durch die Anpassungen in der Mittelsohle, was zusätzliche Führung mitbringt.
Wenige andere Schuhe verändern ihren Charakter so extrem, sobald man das Tempo verschärft. Sobald es in höhere Geschwindigkeiten übergeht, entsteht extrem viel Antrieb bei gleichzeitig viel Dämpfung, spürbar auch durch die steifere Platte, die den Abdruck nochmal verbessert. Im Training funktionieren Intervalleinheiten zum Einlaufen inzwischen deutlich besser als beim Vorgänger, der dort durch weniger Stabilität weniger passend war. Trotzdem möchte und sollte der Schuh vor allem schnell getreten werden, ideal ab einer Pace von etwa 4:15 min/km, kombiniert mit aktivem Laufstil über Mittel- und Vorfuß. Bei jedem Schritt entsteht dann ein spezieller Mix aus Bounce und Snappiness, einmal auf die richtige Pace eingestellt rollt der Schuh wunderbar. Stabilität in Kurven bleibt okay, durch die extrem weiche Mittelsohle aber eher schwammig, hier gibt es am Markt kontrolliertere Modelle. Einsatzbereich sehe ich über alle Wettkampfdistanzen, am idealsten zwischen Halbmarathon und Marathon.

Unterschied im Laufgefühl zum Endorphin Pro 5 fällt extrem aus: Elite 3 ist deutlich weicher und voluminöser, dafür spürbar schneller. Pro 5 bleibt dagegen kontrollierter und funktioniert auch bei langsameren Geschwindigkeiten gut. Auch beim Upper sehe ich klare Unterschiede, hier gefällt mir der Elite um Welten besser.
Wer ein ähnlich weiches Laufgefühl bevorzugt, aber weniger Schuh am Fuß haben möchte und vor allem noch mehr Leichtigkeit sucht, findet im Asics Metaspeed Sky Tokyo eine passende Alternative, dafür etwas instabiler. Wer stattdessen weich, aber kontrolliert und trotzdem schnell unterwegs sein möchte, sollte sich den New Balance SC Elite v6 anschauen, ebenfalls mit einem extrem komfortablen Upper.
Endorphin Elite 3 bleibt ein genialer Carbon Racer mit sehr eigenem Charakter, extrem weich und trotzdem dynamisch, dazu für einen Racer dieser Kategorie außergewöhnlich komfortabel. Abstriche gibt es vor allem bei der anfälligen IncrediRun-Außensohle, was sich bei bewusstem Einsatz in der Stadt aber gut umgehen lässt. Preis von 320 Euro liegt im Vergleich zur Konkurrenz spürbar hoch.