
Adidas hat dem Adios Pro ein umfassendes Redesign verpasst. Viele Elemente bleiben vertraut, doch an entscheidenden Stellen hat sich einiges verändert: Die Energy Rods weichen dem Energyrim aus Carbon, dazu kommt eine neue Lightstrike Pro Mischung in einem deutlich leichteren Setup.
Verschiedene Versionen des Adios Pro haben mich in den letzten Jahren bei vielen Wettkämpfen begleitet, so wie sicher viele andere Läufer*innen auch. Umso spannender ist der große Redesign-Ansatz bei diesem Carbon-Racer. Die Energy Rods fallen komplett weg, stattdessen kommt das Energyrim zum Einsatz, das man bereits vom Pro Evo kennt. Damit ähneln sich die beiden Schuhe nicht nur im Design, sondern mittlerweile auch im Detail. In der Mittelsohle setzt Adidas weiterhin auf Lightstrike Pro, nun in zwei Schichten: oben PEBA-basiert, unten aus aTPU. Adidas verspricht dadurch mehr Energierückgabe als beim Vorgänger. Dazu kommt ein neues LIGHTLOCK 2.0 Upper und eine Gewichtsreduzierung von 12 Prozent auf 177 Gramm. Die Bauhöhe bleibt bei 39 mm in der Ferse, die Sprengung sinkt auf 4 mm. Der Preis steigt auf 260 Euro.

Das neue LIGHTLOCK 2.0 Upper schließt sich eng an den Fuß, ist dabei aber leichter und bequemer geworden als beim Vorgänger, wobei man hier eher von einem minimalen Effekt sprechen kann. Der Vorgänger war bereits sehr gut aufgebaut. Auffällig ist das größere Volumen im Vorfuß, das für eine leicht breitere Passform sorgt. Für die Justierung verwendet Adidas nun geriffelte Schnürsenkel, die ihren Job sehr gut erfüllen. Die Zunge sitzt seitlich angenehm und verrutscht nicht. In der Ferse kommt keine klassische Fersenkappe zum Einsatz, stattdessen sorgen zwei großzügige Polsterungen für Halt. Insgesamt spürt man das Update: Der Schuh wirkt nochmal komfortabler am Fuß und bringt viel Leichtigkeit und Atmungsaktivität mit. Bei der Größe würde ich zur gängigen Adidas-Laufschuhgröße greifen.

Carbon plus Lightstrike Pro kennt man vom Adios Pro, hier allerdings in einer komplett anderen Bauweise. Grundlage bilden die zwei Lightstrike-Pro-Schichten, unten aTPU-basiert, oben PEBA. Dazu kommt das Energyrim aus Carbon, das sich wie ein U durch beide Schichten zieht und unter den Zehen an der Schuhspitze offen bleibt. Die geschwungene Form bietet unter dem Fußgewölbe etwas mehr Material, was die Stabilität verbessern soll. Passend dazu hat Adidas die Cutouts im Mittelfuß reduziert, was ebenfalls für mehr Stabilität sorgt. Insgesamt entsteht so eine sichere Plattform. Das Energyrim ist steif und sorgt zusätzlich für Antrieb, die Rocker-Geometrie ähnelt der vierten Version.
An der Außensohle kommt als Hauptanteil Lightrazion zum Einsatz, das für sicheren Halt auf festem Untergrund sorgt, dazu ein Pad aus Continental-Gummi unter der großen Zehe. Das funktioniert grundsätzlich gut. Auffällig ist die recht große Aussparung an der vorderen Außenseite, an der das Lightstrike Pro frei liegt und entsprechend anfälliger für Abnutzung ist. Nach meinen Testläufen hält sich der Verschleiß in Grenzen, lediglich die Farbe ist etwas abgeschürft. Bei einem ausgeprägten Laufstil mit starkem Abdruck nach außen könnte die Abnutzung stärker ausfallen, das sollte man bei der Schuhwahl im Hinterkopf behalten.

Ich befinde mich aktuell in der heißen Phase meiner Halbmarathon-Vorbereitung, da kam der Schuh passend in meine Rotation. Ich konnte ihn bei vielen Kilometern im Bereich meiner angepeilten Race Pace laufen, das entspricht etwa 4 Minuten pro Kilometer. Die Updates machen sich beim Laufen bemerkbar, die DNA eines Adios Pro bleibt aber erhalten, nur anders verpackt. Vor allem der Wechsel zum Energyrim ist spürbar: Man merkt den größeren Anteil an Foam im Vorfuß im Vergleich zum Adios Pro 4. Gleichzeitig fehlen die Energy Rods, die das Einsinken bisher etwas abgemildert haben. Auf der Strecke war das spürbar, allerdings nicht so stark wie erwartet, da das Energyrim selbst auch für Steifigkeit sorgt.
Der Schuh bringt weiterhin ein großes Maß an Dynamik mit und treibt gut nach vorn, allerdings mit etwas weniger Aggressivität als die vierte Version. Dazu läuft sich das komplette Setup sicherer und bietet mehr Führung. Wer die vierte Version als zu instabil empfunden hat, findet hier eine interessante Option. Für mich verschiebt sich durch die etwas reduzierte Aggressivität der Einsatzbereich vor allem auf längere Distanzen, von Halbmarathon bis Marathon. Dort liefert er ein kontrolliertes und antreibendes Laufgefühl mit viel Effizienz bei hohen Geschwindigkeiten. Auch die Upper-Updates machen sich bemerkbar und sorgen für etwas mehr Tragekomfort.
Im Vergleich zum Adios Pro 4 tauscht der fünfte deutlich an Aggressivität gegen mehr Stabilität und Komfort. Wer Richtung Pro Evo schielt, bekommt mit dem Energyrim nun ein verwandtes Antriebskonzept, allerdings in einem zugänglicheren, komfortableren Gesamtpaket.

Ein sehr gelungenes Update. Der Schuh ist leichter und bringt vor allem mehr reaktives Lightstrike Pro im Vorfuß mit, das antreibt, trotz etwas weniger Aggressivität als der Vorgänger. Damit wird er zu einem passenden Wettkampfschuh für längere Distanzen, wenn man einen leichten, aktiven, aber zugleich komfortablen Carbon-Racer sucht. Die Updates machen ihn durch die zusätzliche Stabilität auch für eine breitere Zielgruppe interessant. Einzig die Abnutzung des Lightstrike Pro im Vorfuß sollte man im Auge behalten, bisher bewegt sich das im Rahmen, ist bei einem Racer für 260 Euro aber ein Punkt, der schmerzt.