Puma hat mit der Deviate Nitro Familie über die letzten Jahre einen Carbon-Racer etabliert, der sich durch ein ungewöhnlich ausgewogenes Verhältnis aus Dämpfung, Stabilität und Geschwindigkeit auszeichnet. Keine aggressive Trampolindynamik, kein nervöses Laufgefühl, sondern ein kontrollierter, direkter Racer, der eine breitere Zielgruppe anspricht als viele direkte Konkurrenten. Die vierte Version setzt diesen Weg fort, überrascht aber vor allem mit einer deutlichen Gewichtsreduktion. Von rund 194 Gramm beim Vorgänger auf jetzt 170 Gramm, ohne spürbare Einbußen in den Kernbereichen.
Puma Deviate Nitro Elite 4: Einordnung im Puma Line-up
Im Puma Line-up ordnet sich der Deviate Nitro Elite 4 klar als wettkampforientierter Carbon-Racer ein, eine Stufe über dem Deviate Nitro 4, der als zugänglicherer Tempotrainer ohne Platte positioniert ist und ebenfalls in diesem Jahr erschienen ist. Darüber thront der Fast-R 3 als aggressivster und geschwindigkeitsorientiertester Schuh aus dem Hause Puma, mit intensiverem Rocker und kompromissloserer Ausrichtung. Der Elite 4 ist das ausgewogenere Modell zwischen diesen beiden Polen, mit mehr Toleranz als der Fast-R und deutlich mehr Geschwindigkeit und Dynamik als der reguläre Deviate. Beide Modelle sind auch im HYROX-Bereich sehr präsent, Puma ist dort Partner und hat eigene Special-Versionen aufgelegt.
Der Preis liegt bei 250 Euro, 20 Euro mehr als der Vorgänger, bleibt damit aber im typischen Spektrum aktueller Carbon-Racer. Der Vorfußstack beträgt 32mm, die Ferse 40mm, woraus eine Sprengung von 8mm resultiert. Das Gewicht liegt bei 170 Gramm in der Mustergröße, was für einen Schuh mit dieser Bauhöhe und diesem Stabilitätsniveau ein sehr guter Wert ist.
UltraWeave-Upper & Passform: Leichter, breiter, erwachsener
Das neue UltraWeave Obermaterial ist das auffälligste Update gegenüber dem Vorgänger und macht sofort einen deutlich erwachseneren Eindruck. Es ist minimalistischer, atmungsaktiver und leichter, ohne dass der Schuh dabei an Tragekomfort verliert. Die früheren Power-Elemente aus strukturierten Verstärkungen entfallen, die Stabilität kommt jetzt primär über die Materialstruktur selbst. Das ist eine saubere Lösung, die den Schuh gleichzeitig leichter und moderner wirken lässt.
Die Zunge ist dünn, sitzt sehr gut im Schuh und verrutscht nicht. Eine leichte Polsterung zieht sich bis nach oben, was auch bei der Marathonschnürung mit innenliegender letzter Öse gut funktioniert. Die Fersenpartie ist strukturiert und angenehm gepolstert, ohne übermäßig viel Material einzusetzen. Oben ist der Abschluss fest genug, um Halt zu geben, aber nicht so steif, dass Druckpunkte entstehen. Insgesamt wirkt das Upper für einen Schuh dieser Gewichtsklasse erstaunlich komfortabel und durchdacht.
Die Passform ist im Vergleich zu den Vorgängern etwas breiter geworden, was den Schuh für eine größere Zielgruppe zugänglicher macht. Wer die älteren Versionen als zu schmal empfunden hat, wird hier angenehm überrascht sein. Wichtig bei der Größenwahl ist aber, dass der Elite 4 in der Länge etwas größer ausgefallen ist als der Vorgänger. Wer zwischen zwei Größen schwankt, sollte eine halbe Nummer kleiner wählen. Bei meiner Testgröße hat sich im Vorfuß etwas Faltenbildung bemerkbar gemacht, eine halbe Nummer kleiner wäre die bessere Wahl gewesen.
Nitro-Elite-Doppelschicht & Powerplate: Reaktiv ohne Trampolin
Puma verbaut zwei unterschiedliche ATPU Nitro Elite Mischungen in der Mittelsohle, was den Kern dessen ausmacht, was den Elite 4 so interessant macht. Die obere Schicht ist auf Dynamik und Reaktivität ausgelegt, die untere fester geschäumt und auf Stabilität bzw. Struktur ausgerichtet. Das Zusammenspiel beider Materialien ergibt ein Laufgefühl, das reaktiv ist, aber nie schwammig oder unkontrolliert wirkt. Dazwischen sitzt die Powerplate, Pumas Bezeichnung für die Carbonfaserplatte, die sehr steif ist und den Abdruck klar strukturiert. Die Steifigkeit ist markant und sollte bei der Schuhauswahl bewusst berücksichtigt werden. Wer keine Erfahrung mit sehr steifen Platten hat, braucht eine gewisse Eingewöhnungszeit, weil Wade und Oberschenkel stärker beansprucht werden als bei weicheren Modellen.
Was den Elite von aggressiveren Racern wie dem Fast-R oder dem Adidas Adios Pro unterscheidet, ist die moderatere Rocker-Geometrie im Vorfuß. Es gibt keine übertriebene Katapultbewegung, die einen aus dem natürlichen Laufrhythmus herauszieht, sondern ein kontrolliertes, gleichmäßiges Abrollen, das den eigenen Rhythmus unterstützt statt zu dominieren. Das macht den Schuh über ein breiteres Geschwindigkeitsspektrum nutzbar und spricht auch Fersenläufer an, die von der Platte hinten raus eine angenehme Führung bekommen, statt auf den Vorfuß gezwungen zu werden. Für einen Carbon-Racer ist das eine seltene Eigenschaft.
Außensohle: Dünner, griffiger – aber wie haltbar?
Die Außensohle mit Puma Grip ist gegenüber dem Vorgänger dünner geworden, sowohl in der Materialstärke als auch in der Flächenabdeckung. Im Fersenbereich ist das Gripmaterial auf die Außenseite reduziert, der Rest kommt direkt mit dem Nitro Elite Material in Kontakt. Der Grip funktioniert sehr gut und hat im Test auf Stadtstraßen auch bei Nässe zuverlässig gehalten. Die langfristige Haltbarkeit bleibt ein Fragezeichen. Nach rund 80 Kilometern beim zweiten Tester war bereits ein gewisser Verschleiß erkennbar. Für 500 Kilometer sollte die Sohle halten, langfristig muss man schauen, wie sich das dünnere Material entwickelt.
Laufgefühl: Kontrolliert, gleichmäßig, unaufgeregt gut
Der Deviate Nitro Elite 4 läuft sich unaufgeregt und dabei richtig gut. Das ist vielleicht das treffendste Urteil über diesen Schuh. Er ist nicht so aggressiv wie ein Alphafly, nicht so weich wie ein Endorphin Elite 2, nicht so katapultartig wie der Adios Pro. Was er stattdessen bietet, ist ein kontrollierten, gleichmäßigen Vortrieb, der den eigenen Laufrhythmus unterstützt und dabei konstant Energie zurückgibt. Man findet seinen Rhythmus, der Schuh unterstützt gleichmäßig und treibt voran, ohne aufdringlich zu sein.
Bei Tempoeinheiten in der Stadt hat er sich in allen Geschwindigkeitsbereichen bewährt. Die steife Platte fiel dabei nicht negativ auf, weil die moderate Rockergeometrie dafür sorgt, dass man sich nicht in eine unnatürliche Abrollbewegung gezwungen fühlt. Im Wettkampf auf dem Halbmarathon hat er unter 1:29 h sehr zuverlässig funktioniert. Der Schuh ist auf hohe Geschwindigkeiten ausgelegt und gibt dort am meisten zurück, bleibt aber auch bei moderateren Einheiten angenehm zu laufen.
Fersenläufer mit Marathonambitionen finden hier einen der wenigen Carbon-Racer, die hinten raus wirklich Führung und Komfort bieten. Für Zielzeiten zwischen 3:15 und 3:30 Stunden auf dem Marathon ist er eine realistische und gut passende Option. Für kürzere Distanzen und schnelle Intervalleinheiten funktioniert er genauso. Die Kombination aus Gewicht, Reaktivität und Stabilität macht ihn zu einem echten Allrounder im Wettkampf- und Temposektor.
Puma Deviate Nitro Elite 4 vs. SC Elite V3, Vaporfly 4 & Adios Pro
Vom Setup her ist der Deviate Nitro Elite 4 dem New Balance SC Elite V5 am ähnlichsten. Beide bieten eine ausgewogene Mischung aus Reaktivität und Stabilität, der Puma wirkt dabei aber fester in der Materialabstimmung und etwas direkter im Abdruck. Gegenüber den Asics Metaspeed Modellen bietet der Puma mehr Stabilität, weniger Softness im Vorfuß, was ihn für Läufer interessant macht, die mit sehr weichen Racern nicht zurechtkommen.
Im Vergleich zum Nike Vaporfly 4 liegt der Puma bei ähnlichem Gewicht, der Vaporfly ist mit 35mm Bauhöhe deutlich flacher gebaut und auf kurzen Distanzen spritziger. Hinten raus, auf langen Distanzen, ist der Puma durch seine breitere Basis und bessere Führung kontrollierter und angenehmer. Der Adidas Adios Pro ist eine andere Welt, mit ausgeprägterem Rocker, weicherem Lightstrike Pro und stärkerer Hebelwirkung durch die Platte. Wer dieses Katapultgefühl sucht, ist dort besser aufgehoben. Wer einen kontrollierten, direkten Racer sucht, der auf vielen Distanzen funktioniert, ist beim Puma richtig.
Puma Deviate Nitro Elite 4 - KEYFACTS
Gewicht: 147 g – Damen | 170 g – Männer (Mustergröße)
Sprengung: 8 mm (40 – 32 mm)
Kategorie: Wettkampf | Carbon Laufschuh
Marke: Puma
Preis: 250 €
Für wen ist der Puma Deviate Nitro Elite 4 geeignet?
Mit dem Deviate Nitro Elite 4 liefert Puma einen sehr überzeugenden Carbon-Racer, der durch seine kontrollierte, stabile Ausrichtung eine breitere Zielgruppe anspricht als viele direkte Konkurrenten. Das Gewicht wurde deutlich reduziert, ohne dass der Schuh an Charakter oder Stabilität verloren hat. Das neue UltraWeave Upper ist merklich hochwertiger und atmungsaktiver, das Laufgefühl bleibt dem bewährten Charakter der Reihe treu. Die Größenwahl erfordert Aufmerksamkeit, eine halbe Nummer kleiner als gewohnt ist beim Elite 4 oft die richtige Entscheidung. Die Haltbarkeit der dünneren Außensohle bleibt langfristig ein Fragezeichen. Für 250 Euro bekommt man einen wettkampftauglichen Schuh, der vom Halbmarathon bis zum Marathon funktioniert, für ambitionierte Trainingseinheiten genauso geeignet ist und dabei mehr Läufer anspricht als die meisten anderen Carbon-Racer auf dem Markt.
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