
Der SC Trail v2 ist das Speed-Modell von New Balance im Gelände. Gegenüber der ersten Auflage hat sich einiges getan, der Schuh wirkt erwachsener. Geblieben sind aktives FuelCell, eine Carbonplatte und eine Vibram-Außensohle fürs Trailrunning.
Sobald bei New Balance SuperComp im Schuhnamen steht, geht es um Geschwindigkeit. Das gilt auch für den SC Trail v2. Die erste Auflage war im Vergleich zum Markt zwar zugänglicher als radikalere Modelle, konnte beim Tempo aber nicht mit einem Adidas Terrex Agravic Speed Ultra oder einem The North Face Vectiv Pro mithalten. Genau dort will New Balance mit der zweiten Auflage angreifen. Zum Einsatz kommen ein FuelCell-PEBA-Blend, eine Energy-Arc-Carbonplatte (im Vorfuß gegabelt), Vibram Megagrip mit 3,5 mm Chevron-Lugs, 37 mm Fersenhöhe, 29 mm im Vorfuß und 8 mm Sprengung. Das Gewicht liegt bei 277 Gramm, der Preis bei 250 Euro.

Das Upper hat ein Redesign bekommen und bringt frischen Wind. Eine anatomische Zehenbox schafft mehr Platz im Vorfuß, im Mittelfuß und an der Ferse sitzt der Schuh sicher. Overlays gibt es nur über den Zehen und an der Ferse, der Materialeinsatz bleibt also gering und der Schuh leicht, passend zum Wettkampfcharakter. Die Zunge ist dünn und seitlich über ein Band mit dem Upper verbunden. Schade ist, dass das Polsterpad in der Zunge etwas früh endet und der Knoten dadurch auf dem dünnen Material sitzt. Zudem fällt die Zunge etwas kurz aus, das könnte besser gelöst sein. Beim Laufen hat mich das nicht wirklich gestört. Die Ferse ist nicht zu tief und leicht gepolstert, dadurch sitzt der Schuh nochmals sicherer am Fuß. Meine gewohnte New-Balance-Größe hat gut gepasst.

In der Mittelsohle kommt komplett FuelCell zum Einsatz, ein PEBA-Blend, der aktiver ist als bei der ersten Version. Die Energy-Arc-Carbonplatte ist im Vorfuß gegabelt, wie bei vielen Modellen auf dem Markt. Das bringt mehr Flex als eine steife, durchgehende Platte und unterstützt trotzdem den Abdruck. Der Rocker im Vorfuß ist nicht zu extrem, der Schuh rollt damit aber gut und dynamisch auf laufbaren Untergründen ab.
Eine Schutzplatte gibt es nicht. Stattdessen ist die Vibram-Außensohle komplett über die Länge durchgezogen, wie man es auch vom Rebel Trail kennt, und schützt so vor spitzen Elementen. Die Sprengung wurde auf 8 mm reduziert, was der Dynamik guttut. Gut gelöst ist der Verzicht auf einen offenen Bereich im Mittelfuß, dadurch sammeln sich keine Steine mehr im Kanal.
Bei der Außensohle handelt es sich um eine Vibram-Megagrip-Mischung der Litebase-Variante. Die Stollenlänge beträgt 3,5 mm, also nicht zu extrem, dafür ist die Sohle durchgehend eingesetzt. Das bringt guten Grip, auch auf nassem Fels, und auf Schotter funktioniert sie sehr gut. Auf losen Untergründen stößt sie an ihre Grenzen, was bei der Stollenlänge vertretbar ist.

Das größte Update gegenüber dem Vorgänger spürt man sofort. Das Upper sitzt um einiges besser am Fuß, und der Schuh muss nicht großartig eingelaufen werden, er ist direkt bereit für die Trails. Beim Laufen fällt vor allem das harmonische Setup aus FuelCell, Carbon und Außensohle auf. Alles fühlt sich wie aus einem Guss an. Die Geometrie ist nicht zu aggressiv, sodass sich auch im moderaten Tempo Kilometer im Gelände abspulen lassen. Bei flotteren Schritten funktioniert der Schuh gut und bleibt dabei sehr kontrolliert, ohne extremen Pop. Das Laufgefühl bleibt eher snappy, mit viel Bounce durch die Mittelsohle.
Damit eignet sich der SC Trail v2 für viele Distanzen im Training und im Wettkampf, von flotten 10 Kilometern bis hin zu 100 Kilometern. Für die täglichen Einheiten ist er sicher nicht gedacht, der Fokus liegt klar auf dem Wettkampf. Das Setup wirkt aber auch allgemein sehr ausdauernd und sollte viele Kilometer mitmachen, bis hoch in die Berge. Er ist damit nicht nur ein Trailschuh für laufbare Untergründe, sondern auch für anspruchsvolles Terrain. Dazu passt, dass der Schuh für seine Kategorie nicht zu hoch gebaut ist. Einige Modelle gehen über 40 mm Fersenhöhe, sind instabiler und deutlich stärker auf Reaktivität im Vorfuß ausgelegt.

Der Asics Metafuji Trail 2 setzt mit FF Leap ebenfalls auf einen sehr aktiven Schaum, der in der Reaktivität mit dem FuelCell-PEBA-Blend vergleichbar ist. Seine X-förmige Platte verteilt den Vortrieb vor allem bei Anstiegen, die Energy Arc des SC Trail v2 liefert dagegen mehr Snap beim Abdruck auf der Geraden. Mit 5 mm Sprengung ist der Metafuji niedriger als der SC Trail v2 mit 8 mm, was ihn auf Abstiegen für technisch versierte Läufer schneller, im Gesamtgefühl aber anspruchsvoller macht. Statt Vibram kommt Asicsgrip zum Einsatz. Das Upper mit Motion Warp ist flexibler und leichter als das strukturierte Upper des SC Trail v2, bietet auf technischem Terrain aber weniger Abriebresistenz.
Der Nike ACG Ultrafly 2 hat einen ähnlichen Stack und eine ähnliche Vibram-Megagrip-Außensohle, verfolgt aber eine andere Plattenphilosophie. Die gesplittete Carbon-Flyplate im Ultrafly 2 sorgt für ein smootheres, weniger aggressives Abrollen als die gegabelte Energy-Arc-Platte. Der Mittelfuß ist breiter und damit stabiler für Läufer, die mehr Plattform wollen. ZoomX mit Cushlon fühlt sich weicher und schützender an, FuelCell ist reaktiver und direkter.
Beim New Balance Rebel Trail ist der Charakter ähnlich, der SC Trail v2 ist aber nochmals leichter und schneller im Laufgefühl. Größter Unterschied ist die Carbonplatte, die den Charakter des Schuhs bestimmt und die dem Rebel Trail fehlt. Für das Training eignet sich der Rebel Trail sehr gut, die beiden Modelle lassen sich in der Rotation daher gut kombinieren.
Der SC Trail v2 ist ein starkes und wichtiges Update. Er bringt alles mit, was man sich von einem Carbon-Trailschuh wünscht, und bleibt beim Laufen jederzeit kontrolliert, ohne ins Extreme abzudriften. Damit ist er ein sehr zugängliches Modell für den ersten Carbon-Trailschuh. In Sachen Geschwindigkeit gibt es aggressivere und flottere Modelle, an die er nicht ganz herankommt. Dafür überzeugt er mit mehr Stabilität und Abriebfestigkeit.