
Mit dem Flare Elite bringt die chinesische Laufschuhmarke Runsifly einen leichten Carbon-Racer, der mit seiner Rocker-Geometrie klar auf Tempo ausgelegt ist. In Deutschland ist der Schuh bisher weitgehend unter dem Radar geflogen. Dabei überzeugt er mit einem minimalistischen, aber angenehmen Tragegefühl und viel Dynamik, was ihn für Tempoeinheiten und Wettkämpfe bis zur Marathondistanz interessant macht. Wie er sich im Vergleich zu den Wettkampfmodellen etablierter Marken schlägt, zeigt dieser Test.
Runsifly ist eine chinesische Laufschuhmarke, die sich auf carbonverstärkte Wettkampf- und Marathonschuhe spezialisiert hat. Beim Flare Elite handelt es sich um einen Carbon-Racer für alle Distanzen bis zum Marathon. Er hat 39 mm Fersenhöhe, 31 mm im Vorfuß und 8 mm Sprengung, das Gewicht liegt je nach Größe bei etwa bei 170 Gramm. Preislich liegt der Schuh bei rund 180 US-Dollar, umgerechnet etwa 160 Euro, und damit deutlich unter vergleichbaren Modellen westlicher Marken.

Im Mittel- und Vorfuß besteht das Upper aus einem sehr leichten, atmungsaktiven und dünnen Strickmaterial, so dünn, dass man den Fuß durchsehen kann. Es schmiegt sich sockenähnlich an den Fuß an und sitzt überraschend angenehm, ohne Falten zu schlagen, die häufig Druckpunkte verursachen. Insgesamt macht das Upper einen hochwertigen Eindruck.
An der Ferse kommt dagegen Mono-Mesh zum Einsatz, was dem Schuh Stabilität und gute Kontrolle verleiht. Trotz des Low-Cut-Schnitts sitzt der Fuß beim Laufen überraschend stabil im Schuh. Eine strukturierte Fersenkappe mit gezielter Polsterung am Fersenkragen sorgt für eine angenehme und sichere Fixierung. Durch die sockenähnliche Passform entstehen keine Druck- oder Reibungspunkte, sodass der Schuh auch bei längeren Einheiten passgenau und komfortabel sitzt.
Bei der Größe muss man aufpassen. Der Schuh fällt sehr klein und im Mittel- und Vorfuß sehr schmal aus. Schmale Füße bekommen dadurch sicheren Halt, für breitere Füße kann es zu eng werden. Von europäischen Größennormen sollte man sich verabschieden und mindestens eine Nummer größer bestellen. Idealerweise testet man die Passform vor dem Kauf, was natürlich aktuell nur bedingt möglich ist. Geeignet ist der Schuh damit vor allem für schmalere Füße.

Komplett aus überkritischem PEBA-Schaum besteht die Mittelsohle, kombiniert mit einer Carbonplatte, die dem Schuh eine hohe Steifigkeit verleiht und den Abdruck strukturiert. Das Setup ist sehr reaktiv und dynamisch, ohne schwammig zu wirken. Am besten funktioniert es aus meiner Sicht, wenn man über Mittel- oder Vorfuß läuft. Im Vorfuß fühlt sich der Schuh sehr snappy an. Er bietet spürbare Führung mit direkter Rückmeldung, ohne stabilitätsorientiert zu sein. Die Rocker-Geometrie sorgt für ein flüssiges Abrollen und lädt zum Beschleunigen ein.
Bei der Außensohle setzt Runsifly auf eine dünne Schicht CPU-Gummi. Auf trockenem Asphalt bietet sie gute Traktion, bei Nässe funktioniert sie weniger gut. Durchgängig ist die Sohle nicht, im Mittelfuß gibt es Aussparungen, in denen sich durchaus Steine verfangen können. Die Langlebigkeit sehe ich aufgrund der sehr dünnen Gummischicht kritisch. Hier sind westliche Marken wie Puma, New Balance oder Nike besser aufgestellt.

Schon beim ersten Hineinschlüpfen macht der Flare Elite Lust auf schnelles Laufen, und ab den ersten Metern lädt er dazu ein, aufs Tempo zu drücken. Er sitzt überraschend gut am Fuß und ist sehr leicht. Das Laufgefühl ist weich, ohne schwammig zu wirken, und gerade in hohen Pacebereichen sehr reaktionsfreudig und agil. Super aggressiv ist er dabei nicht, wie etwa ein Puma Fast-R, sondern eher vergleichbar mit dem New Balance SC Elite v4.
Einsetzbar ist der Schuh grundsätzlich auf allen Distanzen bis zum Marathon. Seine Stärken spielt er meiner Meinung nach aber vor allem auf den längeren Strecken aus, also im Halbmarathon und Marathon. Für Einsteiger sehe ich ihn nicht, eher für fortgeschrittene Läufer, da ein stabiler Muskel- und Sehnenapparat nötig ist, um das Verletzungsrisiko gering zu halten.

Im Vergleich zum New Balance SC Elite v4 empfinde ich den Flare Elite etwas dynamischer und stabiler im Abdruck, gerade auf längeren Distanzen.
Gegenüber dem Mizuno Hyperwarp Elite bietet der Flare Elite nicht die letzte Aggressivität. Dafür hat er eine stabilere Führung und verzeiht auf längeren Strecken mehr, wenn die Muskulatur bereits ermüdet ist.
Mit dem Flare Elite bringt Runsifly einen hochwertigen und sehr leichten Carbon-Racer auf den Markt, der durch seinen günstigen Preis auch im Westen für Aufmerksamkeit sorgen kann. Erwähnt werden muss allerdings die schlechte Verfügbarkeit hierzulande. Der Mix aus Komfort, Reaktionsfreude und Dynamik überzeugt und macht ihn zu einer echten Alternative zu den Wettkampfmodellen bekannter Marken. Besonders auf Halbmarathon und Marathon spielt er aus meiner Sicht seine Stärken aus. Einzig die Außensohle könnte bei der Langlebigkeit zum Problem werden.