
Der Endorphin Pro von Saucony war einer der ersten Carbon-Racer auf dem Markt und hat sich seitdem behauptet. Heute zählt er zu den zugänglicheren Vertretern der Kategorie, bietet gute Führung, dabei aber weiterhin viel Dynamik. Die Updates in der fünften Version stecken vor allem im Detail und bauen auf dem bereits gut funktionierenden Endorphin Pro 4 auf.
Über die letzten Jahre hat Saucony den Pro stetig weiterentwickelt, und der Schuh war für mich immer eine sichere Bank, mit Ausnahme dem Pro 3, die mich nicht ganz überzeugt hat. Mit dem Pro 4 war Saucony wieder auf dem richtigen Weg, und die fünfte Version setzt diesen Kurs fort. Die Platte wurde optimiert und soll den Schuh zugänglicher machen, gleichzeitig aber den Abdruck im Vorfuß stärker unterstützen. Der Mix aus PWRRUN HG und PWRRUN PB in der Mittelsohle bleibt bestehen, das Upper hat jetzt ein Single Layer Mesh erhalten.
Fersenhöhe 39,5mm, Sprengung 8mm, Vorfuß 31,5mm. Das Gewicht liegt bei 206 Gramm in der Mustergröße, der Preis bei 270 Euro.
Die Einordnung im Line-up bleibt unverändert. Der Pro 5 ordnet sich weiterhin unter dem Endorphin Elite ein, der maximale Reaktivität und Leichtigkeit am Race Day verspricht. Für das Training bleibt der Endorphin Speed 5 die passende Wahl, weniger steif durch die Plastikplatte und nur mit PWRRUN PB in der Mittelsohle. Als Einstieg in die Endorphin-Kollektion dient der neue Azura, ohne Platte, aber mit Speedroll-Technologie für einen dynamischen Schritt.

Neu ist das Single Layer Mesh, dünn und luftig gestaltet, wie man es erwarten würde. Die Zunge besteht aus einem Knit-Material und geht bei der Justierung gut mit. Die Ferse ist dezent gepolstert und vermittelt guten Halt, grundlegend sehr ähnlich zur vierten Version. Der Vorfuß ist allerdings etwas schmaler geworden.
Hier liegt für mich der größte Kritikpunkt des Schuhs. Das Single Layer Mesh empfinde ich als zu steif, es lässt kaum Bewegung zu. Wird der Schuh etwas enger geschnürt, reibt das Material spürbar. Den Vorgänger fand ich in der Anpassung deutlich geschmeidiger. Der Materialmix mit dem Knit als Zunge ist grundsätzlich gut gelöst, aber hier kommt es klar auf die individuelle Passform an. Die allgemeine Passform ist medium breit, aber insgesamt etwas schmaler als beim Vorgänger. Atmungsaktivität und Polsterung bleiben auf einem guten Niveau und passend für den Wettkampfeinsatz.

In der Mittelsohle bleibt der Ansatz der vierten Version erhalten: PWRRUN PB als untere Schicht, PWRRUN HG als obere Schicht, die Bauhöhe bleibt bei 39,5mm in der Ferse gleich. Das PWRRUN HG ist in der Mischung etwas weicher abgestimmt, was spürbar ist, aber keine extreme Veränderung darstellt. Dazwischen sitzt weiterhin die Carbonfaserplatte, die nun im Vorfuß Schlitze besitzt, was die laterale Flexibilität erhöht. Im Abdruck fühlt sich das Ganze etwas straffer und explosiver an als beim Endorphin Pro 4, gleichzeitig geführter. Auch hier sind die Anpassungen nicht extrem, insgesamt lässt sich aber sagen, dass der Aufbau der Mittelsohle im Laufgefühl etwas aggressiver geworden ist.
PWRTRAC Rubber kommt neu in der Außensohle zum Einsatz und verspricht weniger Abrieb sowie besseren Grip als beim Vorgänger. Das hat in der Praxis sehr gut funktioniert, wie man es von Saucony gewohnt ist. Auch bei Nässe gab es keine Einbußen beim Grip.

Der Endorphin Pro 5 schließt sich seinem Vorgänger passend an und bringt dieselbe DNA mit: ein Mix aus Geschwindigkeit und guter Stabilität. Damit bleibt er ein Carbon-Racer für eine breitere Zielgruppe, auch als Einstieg in die Carbon-Kategorie geeignet. Die Mittelsohle liefert viel Antrieb, bleibt dabei aber jederzeit kontrolliert, was ihn für Wettkämpfe und darauf ausgerichtete Trainingseinheiten gut geeignet macht.
Geschwindigkeiten im Schwellenbereich um 3:50 min/km sind mit dem Schuh kein Problem. Er ist dabei nicht so aggressiv und reaktiv wie beispielsweise der Endorphin Elite, den Unterschied spürt man deutlich. Darüber hinaus geht mir persönlich bei dem Schuh etwas die Puste aus, für sehr hohe Geschwindigkeiten würde ich eher zu aggressiveren Modellen greifen. Dafür ist er, wie schon der Vorgänger, für eine breitere Zielgruppe spannend. Marathon-Zielzeiten bis zu vier Stunden passen mit diesem Schuh sehr gut.

Auf dem Markt der Carbon-Racer reiht sich der Pro 5 in die Gruppe der Modelle mit gewisser Kontrolle und Stabilität ein, ähnlich dem Hoka Rocket X 3 oder dem Puma Deviate Nitro Elite 4. Auffällig ist dabei die relativ feste Mischung der Mittelsohle, während die beiden genannten Modelle vor allem mit mehr Bounce punkten.
Innerhalb der Saucony Welt ist der Unterschied zum Endorphin Elite 3 groß, dort bekommt man deutlich mehr Bounce und Aggressivität, allerdings auch zu einem höheren Preis. Gegenüber dem Endorphin Speed 5 spürt man, dass der Pro 5 durch die Platte deutlich straffer ist. Der Speed punktet dafür mit mehr Flexibilität, bietet aber ebenfalls gutes Tempo für Training und Wettkampf. Bei höheren Geschwindigkeiten bleibt der Pro 5 dennoch der flottere der beiden.
Saucony hält bei vielen Eigenschaften am Pro 4 fest, und das werden viele Läufer zu schätzen wissen: ein stabiler Carbon-Racer, mit dem man grundsätzlich glücklich werden kann. Mich persönlich hat der Schuh aber nicht vollständig überzeugt. Das Upper des Vorgängers fand ich gelungener, und im Vergleich zu anderen aktuellen Carbon-Racern auf dem Markt hinkt der Pro 5 in Sachen Performance aktuell etwas hinterher. Das neue Upper hat für mich persönlich nicht funktioniert.
Grundsätzlich bleibt der Pro 5 solide, ohne dabei einen echten Wow-Faktor zu liefern. Wer aktuell den Vorgänger, den Endorphin Pro 4, für einen guten Preis bekommt, macht damit nach wie vor überhaupt nichts verkehrt und bekommt einen vergleichbar starken Schuh, teilweise sogar mit dem etwas angenehmeren Upper.