
Mit dem Ghost hat Brooks einen der bekanntesten und erfolgreichsten Daily Trainer im Sortiment. Über viele Generationen blieb das Konzept dabei bewusst konservativ: komfortabel, stabil und zuverlässig. Mit der neusten Version Ghost AMP geht Brooks nun einen etwas anderen Weg. Der Schuh soll die bekannten Eigenschaften des Ghost mit einem moderneren, leichteren und vor allem dynamischeren Laufgefühl verbinden. Dabei ersetzt der AMP den klassischen Ghost nicht, sondern ergänzt die Reihe um eine sportlichere Variante. Wie sich das im Trainingsalltag anfühlt, erfahrt ihr hier.
Der Brooks Ghost AMP ist ein neutraler Daily Trainer, der sich vor allem für lockere bis moderate Dauerläufe eignet, aber auch problemlos etwas schneller gelaufen werden kann. Er steht innerhalb des Brooks-Sortiments zwischen klassischen Daily Trainern wie dem Ghost und leichteren Performance-Modellen wie dem Hyperion. Der große Unterschied zum normalen Ghost liegt dabei weniger in der grundsätzlichen Ausrichtung als im deutlich moderneren Laufgefühl und eingesetzter Technologie.
Mit einer Stack Height von 36 mm hinten und 30 mm vorne sowie einem Drop von 6 mm bietet der Ghost AMP ordentlich Dämpfung und Flexibilität. Die Mittelsohle besteht aus DNA Hype, einem Stickstoff-infundierten EVA/PEBA-Mix, der leichter und reaktiver als die traditionellen Ghost Schaumstoffe ausfällt. Dazu kommt mit SpringRAMP eine Geometrie, die den Übergang vom Auftritt zum Abdruck unterstützen soll. Eine Platte gibt es dagegen nicht. Mit rund 255g ist der Ghost AMP etwa 40 g leichter als der Ghost 18 und fühlt sich dadurch auch am Fuß deutlich leichter an. Der UVP liegt bei 150 €, was ich angesichts der modernen Mittelsohle und des vielseitigen Einsatzbereichs als sehr fairen Preis empfinde.

Das Obermaterial besteht aus einem dünnen Wrap Knit Mesh, das sich angenehm an den Fuß anschmiegt und gleichzeitig für einen sicheren Sitz sorgt. Gerade der geringe Materialeinsatz trägt dazu bei, dass der Schuh am Fuß erstaunlich leicht wirkt. Die Ferse ist gut gepolstert und wird durch einen relativ festen Fersenbereich sicher gehalten. Auch die Zunge ist etwas stärker gepolstert und ins Upper eingenäht, wodurch sie beim Laufen zuverlässig an ihrem Platz bleibt.
Insgesamt ist der Halt sehr gut, ohne dass der Schuh unnötig fest geschnürt werden muss. Die Passform fällt für Brooks-Verhältnisse relativ klassisch aus. Der Mittelfuß sitzt eher eng und sicher, während der Vorfuß ausreichend Platz bietet, aber nicht besonders großzügig ausfällt. Für normale bis schmale Füße funktioniert das sehr gut, bei breiteren Füßen könnte es dagegen etwas knapp werden. Bei mir fällt der Ghost AMP true to size aus.

Das Highlight des Ghost AMP ist für mich ganz klar die DNA Hype Mittelsohle. Der EVA/PEBA-Schaum fühlt sich deutlich lebendiger an als die klassischen Brooks DNA-Loft Materialien und bringt spürbar mehr Energierückgabe in den Schuh. Gleichzeitig ist die Dämpfung weich und kontrolliert und vermittelt deutlich mehr Bodennähe als viele der modernen Max Cushion Trainer. Ebenfalls neu ist die SpringRAMP-Geometrie wodurch der Abrollvorgang unterstützt wird. Dabei ist im Vorfußbereich eine etwas festere Schaumstoffschicht im unteren Bereich eingesetzt. Dadurch wird man nicht so stark nach vorne katapultiert wie bei einem aggressiven Rocker, sondern bekommt eher eine natürliche Unterstützung beim Übergang zum Abdruck. Besonders bei lockeren bis moderaten Tempi funktioniert das sehr gut.
Die Außensohle ist großzügig genug mit Gummi versehen und bietet auf Asphalt sehr zuverlässigen Grip. Auch auf nasser Straße hatte ich keine Probleme. Gleichzeitig macht das Gummi einen sehr langlebigen Eindruck. Für Schotter und befestigte Waldwege ist der Schuh ebenfalls geeignet, allerdings liegt seine Stärke klar auf der Straße.

Auf der Straße zeigt sich der Ghost AMP als sehr vielseitiger Daily Trainer. Besonders bei lockeren und moderaten Dauerläufen gefällt mir das Laufgefühl ausgesprochen gut. Der Schuh ist komfortabel genug für entspannte Kilometer, fühlt sich dabei aber deutlich lebendiger an als viele der klassischen Brooks-Modelle. Durch das geringe Gewicht und die DNA Hype Mittelsohle kann man problemlos etwas Tempo aufnehmen. Auch Steigerungen fühlen sich natürlich an und der Schuh reagiert willig auf einen schnelleren Schritt. Für mich liegt genau hier die größte Stärke des Ghost AMP, er kann einen lockeren Lauf komfortabel begleiten und trotzdem problemlos ein paar schnellere Kilometer mitmachen. Für echte Intervalleinheiten oder schnellere lange Läufe wäre er dagegen nicht meine erste Wahl. Dafür fehlt ihm dann doch etwas Dynamik. Die Dämpfung an sich finde ich aber ausreichend für normale Longruns Richtung zwei Stunden.

Im Vergleich zum normalen Ghost 18 ist der AMP für mich die deutlich interessantere Variante, wenn man etwas mehr Dynamik sucht und bleibt trotzdem stabil und unkompliziert. Er läuft sich sehr ähnlich dem Asics Novablast 6 und an das dynamische Laufgefühl des Adidas Adizero Evo SL kommt er ebenfalls sehr nahe hin.
Der Brooks Ghost AMP ist für mich eine sehr gelungene Weiterentwicklung des klassischen Daily Trainer Konzepts. Brooks schafft es, die bekannten Stärken des Ghost, Komfort, Stabilität und angenehmes Laufverhalten, mit einer modernen und dynamischeren Mittelsohle zu kombinieren. Er richtet sich vor allem an Läufer, die einen leichten Allrounder für ihre Trainingskilometer suchen. Besonders bei lockeren bis moderaten Geschwindigkeiten funktioniert der Ghost AMP hervorragend. Wer einen maximal gedämpften Longrun Schuh oder einen echten Performance Trainer für harte Workouts sucht, findet passendere Modelle. Wer dagegen einen unkomplizierten Daily Trainer möchte, der nicht nur bequem, sondern auch ein bisschen spritziger und moderner läuft, bekommt mit dem Ghost AMP einen soliden Schuh an den Fuß.