Nike Pegasus Plus 2 seitliche Ansicht Tempo-Trainer

Nike Pegasus Plus 2 im Test: Air-Zoom-Kissen bringt mehr Antrieb

Nike hat die zweite Version des Pegasus Plus vorgestellt, größte Veränderung sind die neuen Air-Zoom-Kissen im Vorfuß, dazu kommen Anpassungen im Upper und in der ZoomX-Mittelsohle. Nike verspricht dadurch vor allem mehr Tempo für das Training. Getestet habe ich den Schuh intensiv über mehrere Wochen.

Nike Pegasus Plus 2: Einordnung im Nike Line-up

Der Pegasus Plus ist der legitime Nachfolger der beliebten Pegasus-Turbo-Reihe, wobei sich die erste Version im Bereich Tempo schwertat. Zwar war die Pegasus-DNA klar erkennbar, den großen Schritt in Sachen Geschwindigkeit gegenüber dem klassischen Pegasus 42 vollzog der Schuh aber nicht. Genau das soll mit der zweiten Variante gelingen, vor allem durch die Air-Zoom-Kissen im Vorfuß, dazu ein leichteres Upper, ein Abschied von Flyknit, sowie eine angepasste ZoomX-Mittelsohle. Nike-Fans dürfte die Kombination aus Air Zoom und ZoomX bekannt vorkommen, ähnlich gab es das bereits vor einigen Jahren beim Tempo Next% und man kennt die Verbindung auch aus dem Alphafly.

Die Daten zeigen ebenfalls eine leichte Verschiebung in Richtung Tempo: 265 Gramm in Größe 44, Bauhöhe 38mm in der Ferse, die für Nike typische Sprengung von 10mm. Preislich liegt der Schuh bei 170 Euro.

Nike Pegasus Plus 2 Air-Zoom-Kissen Vorfuß ZoomX-Mittelsohle Detail

Upper und Passform: Abschied von Flyknit

Bereits mit dem Pegasus 42 hat Nike einen neuen Leisten eingeführt, etwas breiter als bei früheren Pegasus-Modellen, was eine Passform für mehr Fußformen ermöglicht. Das zeigt sich auch beim Plus 2, dessen Flyknit vom Vorgänger einem strukturierten Engineered Mesh gewichen ist, durchweg sehr gut umgesetzt. Innen liegt eine dünne Mesh-Schicht, die in die Zunge übergeht, darüber sitzt das erwähnte Engineered Mesh, ebenfalls dünn verarbeitet. Auf Spann und Seiten ist das Material luftig, verstärkte Zonen bringen zusätzliche Struktur. Zunge ist dezent gepolstert und seitlich ans Mesh angebunden, dadurch verrutscht sie nicht.

Fersenpartie bringt mehr Struktur mit, kombiniert mit gut gesetzten Polsterungen. Schnürsenkel sind leicht angeraut, was das Justieren beim Schnüren unterstützt. Im Mittelfuß sitzt bei den mittleren Ösen ein Band, das den Halt zusätzlich verstärkt. Insgesamt bietet der Schuh guten Freiraum im Vorfuß, sitzt im Mittelfuß dagegen kompakt am Fuß. Meine gewohnte Nike-Laufschuhgröße hat sehr gut gepasst.

Nike Pegasus Plus 2 Engineered-Mesh-Upper Mittelfußband Detailansicht

Mittelsohle: ZoomX und Air-Zoom-Kissen im Vorfuß

Grundlage bildet eine weichere ZoomX-Mischung als in der ersten Version, die laut Nike die Energierückgabe um 18 Prozent steigert. Markant sind vor allem die beiden Air-Zoom-Kissen im Vorfuß, bekannt aus ihrem prominentesten Einsatz im Alphafly. Nike zieht hier bewusst Parallelen im Laufgefühl, wer schon einmal mit solchen Air-Zoom-Elementen gelaufen ist, weiß genau, wovon hier die Rede ist. Spannend ist zudem, dass die Kissen je nach Schuhgröße eine andere Zusammensetzung in Größe und Luftdruck haben, es gibt also Unterschiede zwischen einer Größe 42 und einer Größe 47. Die Logik dahinter ist simpel: schwerere Läufer mit größerer Schuhgröße benötigen mehr Unterstützung. Zusätzlich sind die Air-Zoom-Kissen in ihrer Bauweise curved gestaltet. Mit 38mm Bauhöhe bekommt man ein gutes Maß an Dämpfung, ausreichend für die gängigsten Distanzen bis hin zu Long Runs.

Außensohle: Optimiertes Waffeldesign

Die Außensohle kommt im gewohnten Waffeldesign, weiter optimiert für leichteren Aufbau, weniger Gewicht und mehr Flexibilität. Vorfuß ist komplett abgedeckt, ebenso der Großteil unter der Ferse, im Mittelfuß gibt es Aussparungen zur Gewichtseinsparung. Grip hat im Test solide funktioniert, auch bei leichter Nässe. Passagen über Schotter oder Waldwege sind dabei kein Problem.

Nike Pegasus Plus 2 Waffeldesign-Außensohle Aussparungen Mittelfuß

Laufgefühl

Ich mag es, wenn bei größeren Updates die DNA eines Laufschuhs erhalten bleibt, genau so verhält es sich hier. Laufgefühl und Passform bleiben typisch Nike Pegasus. Markant beim Laufen ist die neu gestaltete Mittelsohle, der Mix aus angepasstem ZoomX und Air-Zoom-Kissen ist deutlich spürbar. Angenehm ist vor allem das weichere ZoomX, das gegenüber dem Vorgänger und auch gegenüber dem regulären Pegasus 42 mehr Lauffreude ausstrahlt. In Kombination mit den Air-Zoom-Kissen spürt man aber die relativ kompakte Bauweise, der Schuh bringt zwar guten Flex mit, die einzelnen Air-Zoom-Elemente im Vorfuß nimmt man trotzdem wahr, ähnlich wie man es in gewisser Weise vom Nike Alphafly kennt. Für einen Neutralschuh bekommt man dadurch eine gute Führung.

Das Setup überzeugt vor allem bei moderatem Tempo, und das über alle Distanzen, damit ist der Pegasus Plus 2 ein idealer Partner zum Kilometersammeln. Wie sich der Schuh bei höherem Tempo verhält, hängt klar von den persönlichen Vorlieben ab. Wer ein kompaktes Laufgefühl mag und aktiv über den Vorfuß abdrückt, wird mit dem Schuh viel Spaß haben. Bei mir haben Geschwindigkeiten um 4:00 min/km und 3:40 min/km bei 400 Meter Intervallen und Strides gut funktioniert, auch beim Dauerlauf hat mir der fokussierte Abdruck über den Vorfuß gut gefallen. Für Tempodauerläufe würde ich eher zu anderen Modellen greifen, für langsamere Pace-Bereiche deckt der Schuh dagegen vieles ab, dort erfüllen die Air-Zoom-Kissen ihren Job zuverlässig.

Insgesamt ist der Schuh nicht so extrem smooth gebaut wie andere Modelle, etwa der Vomero Plus, der ein leichteres Abrollen noch stärker unterstützt, dort funktionieren Geometrie und Schaum nochmal deutlich smoother. Beim Plus 2 muss man aktiv den Abdruck suchen, ein Schlurfen über die Ferse mindert den Laufspaß merklich. Ein weiterer Punkt ist das Gewicht, 265 Gramm in Größe 44, in Größe 42 wahrscheinlich im Bereich von etwa 245 Gramm, was noch okay ist, aber leichter sein könnte. Damit sticht der Schuh am Markt nicht besonders heraus und bewegt sich im Mittelfeld, spürbar ist das durchaus, wobei ich das Gewicht nicht als wichtigsten Faktor sehe, sondern eher das Zusammenspiel von Material und Geometrie.

Nike Pegasus Plus 2

Pegasus Plus 2 vs. Pegasus 42, Zoom Fly 6 und Novablast 6

Gegenüber dem Pegasus 42 ist der Plus 2 leichter, luftiger und dynamischer, sicher die spannendere Wahl fürs Training. Mehr Dämpfung macht auf längeren Strecken zusätzlich Spaß, den Pegasus 42 sehe ich eher bis zum Halbmarathon, das Laufgefühl wirkt insgesamt lebendiger.

Der Zoom Fly 6 ist zwar schon eine Weile am Markt, bringt aber mehr Geschwindigkeit mit und ist leichter, damit auch stärker im Bereich Tempo und Intervalle einsetzbar. Beide Modelle ergänzen sich gut in einer Rotation.

Der Asics Novablast 6 verfolgt einen ähnlichen Ansatz im Einsatzbereich, ist vom Aufbau aber agiler und smoother im Laufgefühl, dafür ist der Pegasus Plus 2 kontrollierter und in der Ferse sicherer, wäre meine Wahl für längere Läufe.

GEWICHT ♂ 265 g
GEWICHT ♀ 215 g
SPRENGUNG 10 mm
FERSENHÖHE 38 mm
PREIS UVP 170 €
Pegasus Plus 2

Nike Pegasus Plus 2

4.0/5

Vorteile

  • Deutlich mehr Reaktivität im Vorfuß durch neue Air-Zoom-Kissen
  • Weichere ZoomX-Mischung sorgt für mehr Lauffreude als beim Vorgänger
  • Gute Führung im Mittelfuß durch verstärkte Schnürung
  • Vielseitig einsetzbar über alle Distanzen bei moderatem Tempo
  • Engineered Mesh statt Flyknit, luftiger und besser justierbar

Nachteile

  • Nicht so smooth im Abrollen wie Modelle mit stärkerem Rocker-Fokus
  • Gewicht bewegt sich nur im Mittelfeld der Kategorie
  • Für Tempodauerläufe eher zweite Wahl
  • Erfordert aktiven Abdruck über den Vorfuß

Für wen ist der Nike Pegasus Plus 2 geeignet?

Ein spannendes Update, das viel Laufspaß mitbringt, das Laufgefühl muss man aber mögen, es ist nicht so smooth wie andere Modelle am Markt, dafür überzeugt der gute Mix aus Reaktivität im Vorfuß mit Dämpfung und Komfort im Gesamtaufbau. Etwas weniger Gewicht würde dem Schuh gut tun, ist für mich aber kein Ausschlusskriterium. Im Vergleich zur ersten Plus-Version ist das ein großer und richtiger Schritt. Preis von 170 Euro geht für mich völlig klar.

Über den Autor

Bild von Jan Lau

Jan Lau

Jan ist ein leidenschaftlicher Läufer aus Dresden und dabei spielt es keine Rolle, ob 5k durch die Stadt ballern oder auf Ultratrails im Gebirge. Er schreibt regelmäßig für Laufmagazine über Laufschuhe. Außerdem ist er Co-Founder der Dresdner Running Crew PACE KILLERS.

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