Mizuno Neo Accera im Test: Stark auf dem Trail, kritisch bei der Passform

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Der neu designte Neo Accera kommt nicht nur von außen auffällig daher. Mizuno hat auch eine Vielzahl an zeitgemäßen Features in den Schuh gepackt und bringt einen performanceorientierten Schuh auf den Trailmarkt, verzichtet jedoch auf eine Carbon- oder Glasfaserplatte. Der Neo Accera zielt auf eine effiziente und ausgewogene Dämpfung in Verbindung mit einem schnellen und dynamischen Laufgefühl auch auf langen Distanzen, ohne zu viel Gewicht an den Füßen zu haben.

Mizuno Neo Accera: Einordnung im Mizuno Trail-Line-up

Der Mizuno Neo Accera steht im Trail-Line-Up der japanischen Marke für maximale Dämpfung mit klarer Ausrichtung auf Komfort und Dynamik. Dagegen wird der Neo Lumina als ausgewogenes Einstiegsmodell mit unterstützender Geometrie für eine entspannte Abrollbewegung für moderate Trails empfohlen. Mit dem Daichi 9 steht daneben ein allroundtauglicher Trailschuh im Regal, welcher eine gute Mischung aus Grip, Stabilität und Dämpfung bietet. Für robustere und anspruchsvollere Einsätze ist der Mujin 11 gedacht, er verbindet noch mehr Schutz mit Komfort. Der Mizuno Neo Accera bringt konkurrenzfähige 290g auf die Waage, kostet aber sportliche 190€. Die Sprengung liegt bei 8,5mm. Sie resultiert aus einem Fersenstack von 41mm und einem Vorfußstack von 32,5mm.

Mizuno Neo Accera Enerzy-NXT-Doppelschicht Mittelsohle Detail

Mesh-Upper & Passform: Großzügig – zu großzügig für schmale Füße

Das Mesh-Obermaterial ist dünn, sorgt für ein angenehmes Fußklima und ist ausreichend atmungsaktiv. Es wirkt robust und zugleich komfortabel, könnte aber für den Einsatz auf dem Trail etwas mehr Struktur und Halt mitbringen. Auf dem Obermaterial sind dünne schützende Elemente an den Seiten und an der Zehenbox verklebt. Geschnürt wird der Schuh mit gewöhnlichen Schnürbändern. Diese haben eine geriffelte Struktur, sitzen wirklich fest beim Laufen und können mittels einer kleinen dehnbaren Lasche in der Mitte der Schnürung fixiert werden. Die minimalistische Zunge ist so vernäht, dass sie nicht verrutscht. Bei sehr enger und strammer Schnürung könnte für ein komfortableres Gefühl etwas mehr Polsterung vorhanden sein. Insgesamt führt die Schnürung aber zu kaum Reibungs- oder Druckstellen. Die Polsterung rund um den Schaft ist ausreichend dick.

Die Fersenkappe ist vorgeformt, stabilisiert und soll für einen guten Sitz und Halt im Schuh sorgen. Die Passform des Neo Accera ist insgesamt als großzügig zu bezeichnen. Sowohl im Fersen-, Mittelfuß- und Vorfußbereich bietet der Schuh eine Geräumigkeit, welche einem sicheren Laufgefühl leider nicht immer zuträglich ist, vor allem auf anspruchsvollen Passagen fehlt es an Stabilität und Halt im Schuh. Gerade Läuferinnen und Läufer mit schmalen Füßen müssen den Schuh schon sehr eng schnüren um einen gewissen Halt zu bekommen. Daraus resultiert dann wiederum, dass das Mesh-Obermaterial nicht überall gleichmäßig und geschmeidig am Fuß anliegt, sondern Falten wirft und dadurch auch Stabilität verloren geht. Insgesamt fällt der Neo Accera etwas größer aus und ist nur als unisex Modell zu haben, dies sollte bei der Größenwahl beachtet und der Schuh unbedingt anprobiert werden. Bei passender Größenwahl und Fußform sitzt der Neo Accera jedoch sehr gut am Fuß, bietet eine gute Flexibilität und lässt sich sicher und dynamisch auf vielerlei Untergründen laufen.

Mizuno Neo Accera Mesh-Upper Zehenbox-Schutz Detailansicht

Enerzy-NXT-Doppelschicht & Smooth-Speed-Assist

Die Zwischensohle des Mizuno Neo Accera besteht aus einer Dual-Layer-Konstruktion. Im oberen Bereich befindet sich der reaktive Mizuno Enerzy NXT Foam, welcher auf Weichheit und Energierückgabe ausgelegt ist, wohingegen im unteren Bereich eine stabilisierende und festere Enerzy-EVA-Schicht verbaut ist. Mizuno Enerzy NXT ist ein speziell von Mizuno entwickelter Schaum, welcher mit Stickstoff induziert ist und eine reaktive und effiziente Dämpfung realisiert. Die Zwischensohle ist nicht zu weich abgestimmt, ist aber in jedem Fall auf Komfort ausgelegt und funktioniert auch auf langen Distanzen nach mehreren Stunden.

Aufgrund der Bauhöhe und der Dicke der Zwischensohle fehlt es dem Schuh an einem unmittelbaren und direkten Gefühl für den Boden, allerdings werden Unebenheiten souverän weggedämpft. Neben der Dämpfung trägt die Smooth Speed Assist Sohlenstruktur mit ihrer geschwungenen Geometrie zum dynamischen Laufgefühl bei und unterstützt Läuferinnen und Läufer dabei, eine effiziente Abrollbewegung auszuführen und Geschwindigkeit aufzubauen und aufrecht zu halten. Für zusätzliche Stabilität und Schutz im Vorfuß ist eine Steinschutzplatte verbaut, welche zugleich die Abrollbewegung im Vorfuß unterstützt.

Vibram-Megagrip-Außensohle: Bewährt, aber Grenzen bei Matsch

Mizuno setzt beim Neo Accera auf eine Vibram Megagrip Außensohle mit recht breitem Stollenprofil. Die bekannte und bewährte Gummimischung von Vibram funktioniert auf nahezu allen Untergründen und gibt auch bei wechselnden Wetterbedingungen guten Halt und Grip auf dem Trail. Aufgrund der Breite der Stollen und der Stollenlänge von 4mm fehlt es jedoch ein wenig an Zuverlässigkeit auf technischem Untergrund sowie bei Matsch und tiefem Sand, dafür gibt es besser geeignete Profile. Die Abriebfestigkeit ist gut, könnte aber bei längeren Asphaltpassagen leiden.

Mizuno Neo Accera Vibram Megagrip Außensohle 4mm Stollen Detail

Laufgefühl: Von kurzen Runden bis 60 km – vielseitig mit Einschränkungen

Der Neo Accera will aktiv gelaufen werden und vermittelt unmittelbar am Anfang ein reaktionsfreudiges und gut gedämpftes Laufgefühl, welches auch nach 5-6 Stunden noch erhalten bleibt. Ich bin den Schuh in den vergangenen Wochen intensiv sowohl sehr zügig auf kurzen Runden, als auch eher gemütlich bis zu 60km über mehrere Stunden gelaufen. Ein Punkt welcher die Vielseitigkeit unterstreicht. Im Hinblick auf die bereits angesprochene Passform würde ich den Schuh mindestens eine halbe Nummer kleiner wählen. So musste ich den Schuh schon sehr eng schnüren und hatte dennoch einen geräumigen Stand. Auf anspruchsvollen Singletrails und im Downhill hätte ich mir dahingehend etwas mehr Stabilität, vor allem im Fersen- und Mittelfußbereich gewünscht. Hier war ein sehr aktiver und aufmerksamer Laufstil notwendig, um den fehlenden Halt zu kompensieren. Dennoch performt der Schuh insgesamt sehr positiv und hat mich mit seinen gleichmäßigen Dämpfungseigenschaften und dem rollenden Laufgefühl auf gut laufbaren Trails und festen Wegen begeistert.

Mizuno Neo Accera

Mizuno Neo Accera - KEYFACTS

Gewicht: 290 g – Unisex (Mustergröße)

Sprengung: 8,5 mm (41 – 32,5 mm)

Kategorie: Trailrunning

Marke: Mizuno

Preis: 190 €

Für wen ist der Mizuno Neo Accera geeignet?

Der Mizuno Neo Accera zählt zu den hochgedämpften Trailmodellen und bietet eine entsprechend weiche und ausgewogene Dämpfung. Mit dieser Komfortorientierung lässt er sich auch optimal für Ultratrails einsetzen. Gleichzeitig besticht die Zwischensohle mit einer smoothen Reaktionsfreudigkeit bei temporeichen Läufen im Gelände. In Kombination mit dem geschwungenen Aufbau des Neo Accera wird ein rollendes Laufgefühl vermittelt, welches Läuferinnen und Läufern sehr viel Spaß bereiten kann. Auch wenn der Schuh eine stabilisierende Steinschutzplatte im Vorfußbereich besitzt, sehe ich ihn aufgrund seiner Bauhöhe und der großzügigen Passform auf eher einfachen Trails sowie Wald- und Schotterwegen. Hier funktioniert er sehr gut und kann von der 10km-Runde bis hin zum Ultratrail entspannt gelaufen werden.


Der Neo Accera wurde uns von Mizuno kostenfrei zur Verfügung gestellt, dies hatte keinen Einfluss auf den Inhalt des Artikels.

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