
Die zweite Version des Sonicblast, Asics Tempo- bzw. Supertrainer, ist erschienen. Schon nach den ersten Kilometern wird klar: Asics hat nicht einfach nachjustiert, sondern viele Punkte, die bei der ersten Version nicht optimal gelöst waren, gezielt angegangen. Das Ergebnis ist ein Schuh mit einer deutlich klareren Identität, der richtig Spaß beim Laufen macht und sich spürbar von seinem Vorgänger absetzt.
In den letzten Jahren hat sich im Asics-Blast-Segment einiges getan. Mittlerweile gibt es gleich mehrere Modelle: den Novablast 6, den Sonicblast, den Superblast 3 und den Megablast. Sie alle haben hohe Mittelsohlen, viel Material und einen ausgeprägten Rocker, der für spürbaren Bounce sorgen soll. Der Sonicblast war das erste Modell der Familie mit einer Platte, der Astroplate aus Kunststoff. Diese ist nicht so steif wie eine klassische Carbonplatte, stellte aber trotzdem ein markantes Unterscheidungsmerkmal innerhalb der Kollektion dar. Hinzu kam, dass die erste Version deutlich schmaler geschnitten und insgesamt straffer gedämpft war als die übrigen Blast-Modelle. Dies führte zu einer durchwachsenen Resonanz am Markt. Für Intervalle und längere Tempoläufe funktionierte der Schuh dennoch gut, insbesondere, wenn man keinen zu weichen Schuh tragen wollte.
Bei der zweiten Version hat Asics an vielen Stellen nachgeschärft, ohne das grundlegende Konzept zu verändern. Es kommen weiterhin zwei Mittelsohlenschichten zum Einsatz: FF Blast Max unten und FF Turbo Square oben. Dazwischen sitzt die Astroplate. Neu ist, dass die Platte jetzt geschwungen statt gerade verläuft. Im Vorfußbereich gibt es zusätzliche Öffnungen, durch die das reaktivere FF Turbo Square bis nach unten durchgereicht wird. Dadurch wird der Schuh im Vorfuß spürbar dynamischer und flexibler. Auch das Obermaterial wurde deutlich dünner gestaltet und ist nun klar in Richtung Racing ausgerichtet statt in Richtung Komfort.
Die Eckdaten: Ferse: 46 mm, Vorfuß: 38 mm, woraus sich eine Sprengung von 8 mm ergibt, wie bei allen Blast-Modellen üblich. Das Gewicht liegt bei rund 242 Gramm in der Mustergröße und ist damit spürbar geringer als beim Vorgängermodell. Trotz aller Änderungen bleibt der Preis stabil bei 190 Euro.

Das komplett neu entwickelte Upper ist der Bereich, in dem der größte Sprung nach vorne gemacht wurde. Das dünne, gut atmungsaktive und flexible Material ist klar auf Racing ausgerichtet – ein wirklich markanter Unterschied zur ersten Version. Dadurch passt er nun optisch wie haptisch viel besser zur restlichen Blast-Familie, zu der er bislang etwas wie ein Fremdkörper wirkte.
Die dünne Zunge ist mit einer dezenten Polsterung versehen und ein gummiertes Mittelfußband sorgt für einen sicheren Sitz, ohne dass etwas verrutscht. Auch die Fersenpartie wurde neu gestaltet: Sie ist strukturierter, flexibler und hat einen höher gezogenen, offeneren Abschluss. Gerade Läufer:innen, die bei der ersten Version Probleme mit einem zu festen, drückenden Übergang über die Ferse hatten, dürften sich über diese Verbesserung freuen.
Meine gewohnte Asics-Größe hat auch bei dieser Version sehr gut gepasst, in dieser Hinsicht gibt es also keine Überraschungen. Insgesamt bietet der Schuh etwas mehr Breite und Platz als sein Vorgänger, was besonders im Vorfußbereich spürbar ist. Dies liegt auch am verbesserten Material. Trotzdem lässt er sich über die Schnürung weiterhin gut und individuell an den Fuß anpassen. Unter dem Strich ist es ein racingorientiertes, klar auf Leichtigkeit getrimmtes Obermaterial, das seine Wettkampf-Verwandtschaft nicht verbirgt.

FF Blast Max bildet weiterhin die untere Schicht der Mittelsohle, ist für Stabilität zuständig und dabei angenehm weich sowie gut gedämpft. Deutlich spannender ist die obere Schicht aus FF Turbo Square. Dieses reaktivere Material stammt ursprünglich aus dem Wettkampfbereich und kommt mittlerweile auch im Megablast sowie im neuen Novablast zum Einsatz. Im Vorfuß wurde dieses Material bei der zweiten Version großflächiger durchgelassen, wodurch das für die Blast-Familie typische Trampolin-Pad-Gefühl noch stärker zur Geltung kommt.
Die Astroplate ist weiterhin fester Bestandteil des Setups und wurde ebenfalls aktualisiert. Durch zusätzliche Öffnungen kann das obere Material besser durcharbeiten, wodurch der Schuh insgesamt reaktiver und weicher im Abrollen wird. Die gewisse Steifigkeit, die die erste Version geprägt hat, ist dadurch spürbar reduziert worden. Auch die untere FF-Blast-Max-Schicht wurde weicher abgestimmt, obwohl sie an der Ferse sogar etwas mehr Volumen einnimmt als beim Vorgängermodell. In der Summe wirkt die Mittelsohle nun deutlich harmonischer und wie aus einem Guss statt wie zwei nebeneinander existierende Materialien.
Bei der Außensohle setzt Asics auf den für Blast-Modelle typischen Aufbau: Sie ist gut bestückt mit einigen gezielten Aussparungen und verfügt über eine markante Verstärkung am Trampolin-Pad. Asicsgrip liefert dabei sehr guten Halt. Auch bei Nässe gibt es hier nichts zu bemängeln und die Abriebfestigkeit ist ebenfalls sehr gut. Kurze Schotterpassagen sind möglich, ohne dass sich im Mittelfußbereich etwas verfängt. Trotzdem ist klar erkennbar, dass der Sonicblast 2 in erster Linie für den Einsatz auf der Straße konzipiert wurde.

Der Sonicblast 2 zeigt sich auf der Laufstrecke von einer sehr überzeugenden Seite. Er sitzt sportlicher und angenehmer am Fuß als sein Vorgänger, wirkt leichter und luftiger und macht insgesamt einen spürbar dynamischeren Eindruck. Das Laufgefühl bleibt dabei jederzeit sicher. Upper und Mittelsohle spielen gut zusammen und die Platte sorgt für zusätzliche Struktur. Der Schuh funktioniert im entspannten Tempobereich gut, ist dabei aber nicht ganz so weich wie beispielsweise der Novablast. Die Platte macht sich als zusätzliche Führung durchaus bemerkbar. Wer ein rundum weiches, verzeihendes Laufgefühl sucht, für dem ist der Superblast 3 die passende Wahl.
Richtig spannend wird es aber bei höheren Geschwindigkeiten. Hier zeigt sich der Sonicblast 2 im Vorfuß deutlich lebendiger als die erste Version. Das durchgelassene FF Turbo Square bringt spürbar mehr Bounce mit sich, während die Platte kontrolliert beim Abdruck unterstützt, ohne dabei aufdringlich oder zu dominant zu wirken. Für flottere Long Runs bis in den Tempobereich hinein funktioniert der Schuh dadurch sehr überzeugend. Hat man einmal den passenden Rhythmus gefunden, lässt es sich damit angenehm und effizient laufen. Bemerkenswert ist außerdem die Stabilität, die der Schuh trotz seiner Bauhöhe von 46 mm mitbringt. Dank der breiten Plattform wirkt er zu keinem Zeitpunkt nervös oder schwammig, selbst bei zügigerem Tempo.
Für sehr kurze, wirklich schnelle Intervalle stößt der Sonicblast 2 hingegen an seine Grenzen, da ihm im Vergleich zu spezialisierteren Modellen die letzte Direktheit im Vorfuß fehlt. Wer regelmäßig solche Einheiten laufen möchte, ist mit einem Modell wie dem Asics Magic Speed 5 besser bedient, das genau für diesen Einsatzzweck konzipiert wurde.

Gegenüber der ersten Version wurde der Sonicblast 2 in praktisch jedem relevanten Punkt optimiert: Er bietet mehr Bounce, wirkt insgesamt harmonischer im Zusammenspiel der Materialien und ist komfortabler, ohne dass die Kontrolle darunter leidet.
Im Vergleich zum Novablast bietet die verbaute Astroplate spürbar mehr Führung und Abdruck. Ergänzt wird diese Wirkung durch einen deutlich höheren Anteil an FF Turbo Square über die gesamte Länge der Mittelsohle. Das ergibt insgesamt mehr Geschwindigkeitspotenzial und positioniert den Sonicblast 2 sehr passend als Zwischenstufe zwischen Novablast und Superblast – genau richtig für alle, denen der Superblast zu weich abgestimmt ist.
Der Brooks Hyperion Max 4 bewegt sich in einer ähnlichen Kategorie und ist durch seine ausgeprägte Rockergeometrie und die verbaute Platte für hohe Geschwindigkeiten im Tempobereich nochmal etwas dynamischer unterwegs. Für moderate Geschwindigkeiten und entspannte Long Runs hat dagegen der Sonicblast 2 die Nase vorn. Der Nike Zoom Fly 6 ist ähnlich hoch gebaut, ebenfalls weich gedämpft und mit einer nicht zu aggressiven Platte ausgestattet. Er bringt eine vergleichbare Portion Geschwindigkeit mit und lässt sich als echte Alternative in Betracht ziehen.
Der Sonicblast 2 ist ein wirklich gelungenes Update. Er positioniert den Schuh endlich klar und nachvollziehbar zwischen Novablast und Superblast – dort, wo er eigentlich schon mit der ersten Version hätte stehen sollen. Das komplett neue Obermaterial überzeugt auf ganzer Linie und auch die Mittelsohle läuft sich deutlich harmonischer als beim Vorgänger, ohne die Vorzüge der Astroplate zu verlieren. Für 190 Euro gibt es am Markt einige günstigere Alternativen mit ähnlichem Anspruch, das Umfeld bleibt stark umkämpft. Wer jedoch mehr Dynamik als beim Novablast sucht, aber die Abstimmung des Superblast als zu weich empfindet, erhält mit dem Sonicblast 2 einen überzeugenden Einstieg in den Supertrainer-Bereich. Er macht auf einem breiten Spektrum an Distanzen und Geschwindigkeiten wirklich Spaß.