Der Transvulcania auf La Palma gehört zu den bekanntesten Ultramarathons Europas. 73 Kilometer, über 4.350 Höhenmeter, vom Leuchtturm im Süden der Insel auf den höchsten Punkt bei 2.421 Metern und wieder runter ans Meer. Die Strecke gilt als eine der spektakulärsten und anspruchsvollsten im Trailrunning-Kalender, weil sie alles mitbringt: technisches Gelände, extreme Höhenunterschiede, lange Abschnitte über 2.000 Meter und eine Atmosphäre, die die ganze Insel mitreißt. Auf meiner Liste stand der Lauf schon lange.
Anreise und Vorbereitung
Mittwoch angereist, Startnummern abgeholt und die ersten Tage bewusst ruhig angegangen. Am Donnerstag stand ein Streckencheck am El Pilar an, dem Punkt bei Kilometer 25. Es hat geregnet, war aber angenehm warm. Eine kurze Aktivierungseinheit am Strand danach, dann entspannen. Freitag war komplett dem Essen und Chillen gewidmet, ein letzter Versuch auf die höchsten Spitzen zu kommen und mentale Vorbereitung auf das, was kommen würde.

Raceday
Wecker um 2:15 Uhr. Um 3:40 Uhr ging der Shuttle von Los Llanos Richtung Leuchtturm, rund eine Stunde Fahrt. Kurz vor 6 Uhr standen wir alle unten am Leuchtturm im Dunkeln, Stirnlampen an, eine Mischung aus Aufregung und Stille. Und dann ging es los.
Start bis El Pilar – die ersten 25 Kilometer
Die ersten Kilometer starteten moderat. Erst Asphalt, dann Sand, dann wieder Asphalt. Durch den Regen der Vortage war der Boden nicht zu staubig und nicht zu locker, man hatte einen guten Abdruck und kam gut voran. Das zweite Segment war einfaches Hocharbeiten im Sand mit über 1.200 Höhenmetern, kräftezehrend aber beherrschbar. Zwischendurch kamen die Halbmarathonläufer an uns vorbei geflogen, die nach uns gestartet waren und uns locker eingeholt hatten. Unglaublich anzusehen.
Bei El Pilar, der ersten großen Verpflegungsstation, war der Körper noch komplett on point. Ernährung klappte, Klamotten passten, die Beine fühlten sich gut an. Hier dachte ich noch, dass heute wesentlich mehr drin sein könnte als die anvisierten 14 Stunden.

El Pilar bis zum Roque – Kilometer 25 bis 50
Das vierte Segment lief richtig gut, viele Überholmanöver, der Körper rund. Dann kam das fünfte Segment mit 15 Kilometern und über 1.200 Höhenmetern, und damit die härteste Phase des Tages. Wolken hingen auf der Strecke, man sah nur wenige Meter weit und wusste nie wirklich, was noch kommt. Immer wieder hoch, immer wieder ein neuer Hügel. Die Motivation, kurze Anstiege wirklich anzulaufen, ließ spürbar nach.
Was man auf einer solchen Strecke schnell unterschätzt: Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Stunden über 2.000 Meter Höhe unterwegs. Der Körper arbeitet anders, alles geht langsamer. Die ersten Knieschmerzen links meldeten sich, was ich in den Wochen davor schon vereinzelt gespürt hatte. Hier schob es sich in den Vordergrund. Am höchsten Punkt der Strecke, dem Roque de los Muchachos auf 2.421 Metern, wartete meine Freundin. Kurze Pause, Schuhe wechseln. Vom Salomon S/LAB Ultra Glide auf den On Cloudultra Pro für die langen Downhills.
Der Abstieg – die eigentliche Herausforderung
Ich hatte gehofft, dass die Downhills meine Stärke sind. Auf den ersten Kilometern lief es auch wirklich gut, Rhythmus gefunden, mehrere Leute überholt. Dann wurde die Strecke immer steiler, immer steiniger. Kein Flow mehr. Die Knie beschwerten sich bei jedem steileren Abschnitt, rechts meldete sich jetzt auch. Fast 18 Kilometer mit über 2.500 negativen Höhenmetern, die gefühlt längsten des Tages.
Auf geraden Passagen konnte ich noch gut laufen, aber sobald der Gradient zu steil wurde, wollten die Knie nicht mehr mitmachen. Sehnen und Bänder, kein Muskelkater, aber jeder zu steile Schritt ein kleiner Schlag. Eine lange Treppe kurz vor dem Meer war das finale Highlight des Grauens.

Das letzte Segment – Maschinenmodus
Meine Freundin hatte mir am letzten Verpflegungspunkt gesagt, dass die App 14 Stunden Zielzeit anzeigt. Ich wusste was kommt: ein ausgetrocknetes Flussbett, Sand, Steine, kein richtiger Weg. Eis ins Bandana gepackt und dann einfach losgelaufen. Fokus: unter 14 Stunden.
Die letzten 300 Höhenmeter hoch nach Los Llanos, oben kurz gesammelt, noch 1,5 Kilometer. Lange Gerade ins Ziel, viele kleine Kneipen, Applaus. Und dann: 13 Stunden, 55 Minuten. Somit sogar noch mit fünf Minuten Puffer über die Ziellinie.

Ernährung
Rund 25 Gels über den Tag verteilt, dazu C30 und C90 von Neversecond in den Flasks für die langen Segmente. An den Stationen gönnte ich mir meist Orangen und Gummibärchen. Feste Nahrung war eher nichts für mich an dem Tag, das Gel-Setup hat aber insgesamt gut funktioniert. Hungergefühl hatte ich auf dem gesamten Lauf nie.
Ausrüstung
| Kategorie | Produkt |
|---|---|
| Schuhe (0–50 km) | Salomon S/LAB Ultra Glide |
| Schuhe (50–74 km) | On Cloudultra Pro |
| Rucksack | Salomon S/LAB Ultra 12 |
| Stöcke | Leki Ultratrail FX.One |
| Stirnlampe | Silva Free 900 lm |
| Shirt | New Balance Race Day Ultra Light |
| Tight | Nike ACG Lava Loops |
| Socken | Incylence Trailsocken |
| Cap | Nike ACG Cap |
| Brille | Oakley Sphaera Slash |
| Jacke | On Ultra Jacket |
| Laufuhr | Coros Apex 4 |
Fazit
13 Stunden und 55 Minuten, Platz 650 von rund 1.200 Startern. Die Strecke war weniger fließend als erhofft, aber dafür umso ehrlicher. Die ersten 30 Kilometer liefen richtig gut, danach hat der Untergrund seinen Tribut gefordert. Die langen Downhills haben Bänder, Sehnen und Knie an ihre Grenzen gebracht, was ich so nicht erwartet hatte. Muskelkater hatte ich am nächsten Tag eher minimal, die Knie haben sich aber noch einige Tage gemeldet.
Was wirklich positiv überrascht hat, war die Atmosphäre. Der Support an der Strecke, die engagierten Helfer, die Stimmung in den Ortschaften. Man merkt, dass La Palma diesen Lauf lebt. Dazu kommt ein Startgeld von unter 100 Euro, ein kostenloser Shuttle und ein gutes Finisher-Paket. Wer einen anspruchsvollen Ultramarathon mit besonderer Atmosphäre sucht, ist hier richtig. Die Transvulcania stand lange auf meiner Liste und hat geliefert.

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