
Der Neo Vista ist Mizunos Supertrainer: Er ist hochgebaut, hat einen modernen Aufbau, eine weiche Dämpfung und einen sockenartigen Knit-Upper. All das hebt den Schuh optisch wie technisch von klassischen Modellen ab. In der dritten Version verspricht Mizuno mehr Stabilität und Geschwindigkeit. Ob der Schuh das hält, klärt dieser Test.
Mit der Neo-Kollektion hat Mizuno vor ein oder zwei Jahren gezeigt, wie moderne Laufschuhe der Marke aussehen können. Der Neo Vista 3 ist mit einer Fersenhöhe von 44,5 mm hoch gebaut und verfügt über viel Mittelsohlenmaterial. Die Sprengung liegt bei 8 mm, entsprechend 36,5 mm im Vorfuß. Mit einem Gewicht von rund 265 Gramm in der Mustergröße liegt er im Mittelfeld der Kategorie, er ist weder besonders leicht noch schwer. Der Preis bleibt mit 180 Euro gegenüber der Vorversion stabil.
In der Neo-Familie gibt es zudem den Neo Zen 2 als kleineren Bruder: Er ist flacher und agiler aufgebaut, hat keine Platte und ist etwas günstiger.
Die Updates der dritten Version betreffen vor allem die Fersenpartie im Obermaterial sowie die Zusammensetzung des Mittelsohlenmaterials, insbesondere in der Fersenpartie. Der restliche Materialmix bleibt gegenüber der Vorversion unverändert.

Mizuno setzt weiterhin auf das Knit-Material in Bootie-Konstruktion. Es sitzt eng am Fuß, bietet genug Bewegungsfreiheit und dabei Sicherheit. Über die letzten beiden Generationen hat Mizuno diesen Balanceakt gut gelöst. In der dritten Version wird nun gezielt nachgebessert. In der zweiten Version fehlte in der Fersenpartie ausreichend Polsterung, was bei empfindlicheren Läufern zu Reibung und Blasenbildung führen konnte. Genau hier hat Mizuno angesetzt und die Polsterung in der Ferse verstärkt.
Ansonsten bleibt der Aufbau ähnlich: Der Schuh ist flexibel, ermöglicht eine leichte Bewegung am Spann, ohne zu stören, und ist atmungsaktiv dank größerer Löcher in der Strickstruktur. Die Passform wirkt insgesamt etwas geschmeidiger. Der größte Fokus liegt aber auf der überarbeiteten, besser strukturierten Fersenpartie. Bei der Größenwahl empfiehlt sich für schmale Füße eine halbe Nummer kleiner, bei breiteren Füßen bleibt man bei der Standardgröße.
Die Mittelsohle besteht weiterhin aus zwei Materialschichten. Eine dünnere EVA-Schicht bildet die Basis und sorgt für Struktur und Langlebigkeit. Darüber sitzt die dynamischere Enerzy-Next-Mischung, die für mehr Reaktivität sorgt. In der dritten Version wurde der Anteil der EVA-Schicht in der Fersenpartie erhöht, um mehr Kontrolle zu bieten. Die Fersenhöhe und die Sprengung bleiben unverändert, lediglich die Verteilung innerhalb der Mittelsohle hat sich verändert, um mehr Stabilität auch auf leicht unebenem Terrain zu bieten.
Die Wave-Platte ist weiterhin verbaut und sorgt für Führung und Vortrieb. Gegenüber der zweiten Generation ist sie im Vorfußbereich jetzt geschwungener, was für zusätzlichen Schub sorgen soll. Aussparungen im Mittelfußbereich reduzieren das Gewicht, sind bei viel Schotterkontakt jedoch nicht ideal, da sich dort gelegentlich kleine Steine verfangen können.
Bei der Außensohle ist Mizuno minimalistischer geworden. Während die zweite Version mit zwei langgezogenen Schichten fast die komplette Fläche abdeckte, reduziert die dritte Version das Material, was zusätzlich Gewicht spart. Der Grip bleibt trotzdem sehr gut, ist abriebfest und auch bei Nässe zuverlässig. An der Fersenaußenseite, wo die meiste Belastung auftritt, befindet sich ein starkes Pad für eine hohe Abriebfestigkeit. Eine Laufleistung von 800 Kilometern sollte realistisch sein.

Auf festen Untergründen zeigt der Neo Vista 3 grundsätzlich den Charakter seines Vorgängers. Er bietet viel Dämpfung durch die hohe Bauhöhe und ein für diese Kategorie relativ dynamisches Laufgefühl. Der Rocker rollt gut, die Platte stabilisiert passend – das macht bei entspannten bis moderaten Läufen im Bereich von 5:30 min/km und schneller wirklich Spaß.
Bei steigendem Tempo zeigt sich jedoch ein Defizit: Sobald das Tempo auf 4:20 min/km und schneller steigt, fehlt dem Schuh der nötige Schub nach vorne, den man von echten Supertrainern erwartet. Für diesen Einsatzbereich gibt es Modelle mit deutlich mehr Dynamik. Auch für Laufanfänger mit wenig neutralem Laufstil ist der Neo Vista 3 nicht optimal, da im hinteren Bereich noch immer relativ viel Bewegung vorhanden ist und wenig Führung am Sprunggelenk geboten wird. Für alle mit passendem, neutralem Laufstil ist er dagegen ein sehr guter Kilometerfresser. Für kurze, intensive Sprints ist der Schuh aufgrund seiner Höhe und Weichheit nicht geeignet.

Der Neo Zen 2 ist etwas flacher aufgebaut, muss sich in puncto Komfort, Mittelsohle und Obermaterial aber kaum verstecken. Insgesamt wirkt er agiler und eignet sich auch für etwas flottere Einheiten. Wer nicht auf maximale Bauhöhe angewiesen ist, macht mit dem Neo Zen wenig verkehrt und spart zusätzlich etwas Geld.
Der Asics Sonicblast 2 ist strukturierter aufgebaut, verfügt ebenfalls über eine Platte und bietet mehr Führung bei einem ähnlich leichten Aufbau. An die ganz schnellen Supertrainer wie Superblast, Megablast, Adidas Hyperboost Edge oder On Cloudmonster 3 Hyper kommt der Neo Vista 3 in puncto Geschwindigkeit jedoch nicht heran. Wer keinen butterweichen Schuh möchte, ist mit dem Cloudmonster Hyper 3 oder dem Hyperboost Edge besser bedient.
Der Mizuno Wave Rider 30 ist im Vergleich zu seinem Vorgänger höher gebaut und bietet neben guter Dämpfung auch etwas mehr Führung als der Neo Vista. In der 30. Generation bietet er zudem spürbar mehr Dynamik als frühere Wave-Rider-Modelle.
Die Updates des Neo Vista 3 sind vor allem beim Tragekomfort spürbar. Die überarbeitete Fersenpartie sitzt leicht am Fuß und das Knit-Upper bleibt angenehm, sofern die Passform stimmt. Der Schuh eignet sich gut für längere Läufe mit etwas Spielraum für Tempovariationen. Den letzten Kick im Vergleich zum Marktumfeld liefert er jedoch nicht. Mit einem Preis von 180 Euro bleibt das Preisniveau fair. Wer mit dem Vorgängermodell zufrieden war und keine Probleme damit hatte, muss nicht zwingend updaten. Wer ein sehr weiches Laufgefühl sucht, für den ist der Neo Vista 3 eine gute Option, er sollte aber wissen, dass maximale Stabilität nicht seine Stärke ist.