Pronation entscheidet mit darüber, ob ein Laufschuh zu dir passt oder nicht, und trotzdem wissen die wenigsten Läufer, welchem Pronationstyp sie angehören. Dabei ist die Einordnung mit etwas Wissen und ein paar einfachen Tests gut selbst möglich. In diesem Artikel erklären wir, was Pronation, Überpronation und Supination bedeuten, wie du deinen eigenen Typ bestimmst und welche Schuhkategorie zu welchem Abrollverhalten passt.
Was ist Pronation überhaupt
Pronation bezeichnet die natürliche seitliche Kippbewegung des Fußes nach innen, sobald er beim Laufen auf den Boden trifft. Dieser Mechanismus ist kein Fehler, sondern Teil der körpereigenen Stoßdämpfung. Der Fuß landet in der Regel zuerst mit der Außenkante der Ferse, rollt dann leicht nach innen ab und stößt sich schließlich über den Vorfuß wieder ab. Dabei wird das Fußgewölbe im Schnitt mit dem Dreifachen des Körpergewichts belastet. Wie stark diese Einwärtsbewegung ausfällt, unterscheidet sich von Läufer zu Läufer und wird in drei Grundtypen eingeteilt.
Neutrale Pronation liegt vor, wenn der Fuß an der Außenkante der Ferse landet, moderat nach innen abrollt und der Druck gleichmäßig über den Vorfuß verteilt wird. Dieser Ablauf gilt als biomechanisch günstig, weil Aufprallkräfte gut aufgeteilt werden und keine einzelnen Strukturen dauerhaft überlastet werden.
Überpronation bedeutet, dass der Fuß beim Abrollen zu weit nach innen einknickt. Das Fußgewölbe sinkt stärker ab, wodurch Knie, Schienbeine und teils auch Hüfte stärker belastet werden. Überpronation ist das mit Abstand häufigste Abrollmuster, etwa die Hälfte aller Läufer ist betroffen, bei Frauen tritt sie tendenziell häufiger auf als bei Männern.
Unterpronation oder Supination ist das Gegenteil: Der Fuß rollt kaum oder gar nicht nach innen ab, sondern bleibt stärker auf der Außenkante. Dadurch übernehmen Unterschenkel und Sprunggelenk einen größeren Teil der Stoßdämpfung, statt sie auf den ganzen Fuß zu verteilen. Supination ist deutlich seltener als Überpronation und betrifft nur etwa 2 bis 3 Prozent aller Läufer.
Wie du deinen Pronationstyp selbst bestimmst
Für eine erste Einschätzung reichen zwei einfache Methoden, die sich gut ergänzen.
Der Abnutzungstest: Wirf einen Blick auf die Sohle deiner aktuellen oder alten Laufschuhe. Ist vor allem die Innenseite im Bereich von Ferse und Vorfuß abgenutzt, deutet das auf Überpronation hin. Ist dagegen die Außenkante stärker abgelaufen, spricht das für Supination. Ein gleichmäßiges S-förmiges Abnutzungsmuster von der Fersenaußenseite zum großen Zeh gilt als typisch für einen neutralen Laufstil.
Der Nassfußtest: Benetze deine nackten Füße mit Wasser und trete auf ein saugfähiges Blatt Papier oder Karton. Zeigt der Abdruck nahezu die komplette Fußsohle, deutet das auf ein abgesenktes Fußgewölbe und tendenziell Überpronation hin. Ist im Abdruck fast nur die Außenseite sichtbar und die Mitte kaum vorhanden, spricht das für ein hohes Fußgewölbe und tendenziell Supination.
Beide Tests liefern nur eine grobe erste Orientierung. Wer es genau wissen will, sollte eine Laufbandanalyse in einem Laufsportgeschäft machen lassen. Dort wird der Laufstil per Video von hinten aufgenommen und ausgewertet, das liefert ein deutlich zuverlässigeres Bild als jeder Selbsttest zuhause.
Welche Schuhkategorie zu welchem Pronationstyp passt
Bei Überpronation sind Stabilitätsschuhe die klassische Wahl. Sie verfügen über eine Pronationsstütze, meist ein härteres Dämpfungsmaterial auf der Innenseite der Zwischensohle, das ein zu starkes Einknicken abfängt. Moderne Modelle setzen zunehmend auf geometrische Stützsysteme statt auf klassisch verhärtete Keile, etwa die Guide Rails von Brooks. Stabilitätsschuhe haben in der Regel eine höhere Sprengung zwischen 8 und 12 Millimetern und sind durch die zusätzlichen Stützelemente etwas schwerer als Neutralschuhe.
Bei Supination eignen sich neutrale Schuhe mit guter, weicher Dämpfung und ausreichend Platz im Zehenbereich am besten. Da der Fuß hier ohnehin zu wenig nach innen abrollt, wäre eine zusätzliche Pronationsstütze kontraproduktiv, sie würde die ohnehin schon geringe Stoßdämpfung noch weiter einschränken. Wichtig ist stattdessen ein gut geführtes Obermaterial, das den Fuß seitlich stabil hält.
Bei neutraler Pronation stehen praktisch alle Neutralschuhe zur Auswahl. Hier entscheidet eher die persönliche Vorliebe bei Dämpfung und Laufgefühl als eine funktionale Notwendigkeit.
Vergleich: Modelle je Pronationstyp
Stabilitätsschuhe für Überpronation
Der Asics Gel-Kayano 33 gilt als einer der bekanntesten Stabilitätsschuhe am Markt und setzt mit dem neuen FluidSupport-System auf einen Ansatz, der den Fuß aktiv in einen natürlichen Abstoß nach vorn führt, statt ihn nur passiv über einen Keil zu korrigieren. Der Brooks Adrenaline GTS 25 arbeitet mit den bereits erwähnten Guide Rails und gilt seit Jahren als einer der meistempfohlenen Stabilitätsschuhe im Einstiegs- und Trainingssegment. Der New Balance Fresh Foam X 860 v15 und der Saucony Hurricane 25 zählen ebenfalls zu den aktuellen Referenzmodellen dieser Saison, ebenso der Nike Structure 26 mit ReactX-Schaum und aktualisiertem Midfoot Support System.
Neutralschuhe mit viel Dämpfung für Supination
Für Unterpronierer eignen sich weich gedämpfte Neutralschuhe mit großzügigem Zehenraum. Modelle wie der Hoka Bondi oder vergleichbare Max Cushion Laufschuhe bieten die nötige zusätzliche Dämpfung, um die geringere natürliche Stoßdämpfung auszugleichen, ohne durch eine Pronationsstütze einzuschränken.
Fazit
Der eigene Pronationstyp ist kein Werturteil über den Laufstil, sondern schlicht eine körperliche Voraussetzung, die bei der Schuhwahl mitgedacht werden sollte. Ein einfacher Abnutzungs- oder Nassfußtest gibt eine erste Orientierung, eine professionelle Laufbandanalyse im Fachgeschäft liefert das verlässlichere Bild. Am Ende zählt aber vor allem eins: Der Schuh, in dem sich das Laufen für dich am komfortabelsten anfühlt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der richtige.


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