
Der Adidas Hyperboost Run ist ein weiterer Laufschuh mit der neuen Hyperboost-Pro-Mittelsohle. Er positioniert sich als kleiner Bruder des bereits erschienenen Hyperboost Edge. Damit reiht er sich als Daily Trainer in die Adidas-Kollektion ein. Der Fokus liegt auf einem hohen Dämpfungsniveau und einer guten Energierückgabe für das Training.
Im Adidas-Line-up ordnet sich der Hyperboost Run unter dem Hyperboost Edge ein, was bereits bei der Bauhöhe erkennbar wird. Die Ferse misst 38 mm, der Vorfuß 32 mm, wodurch sich eine Sprengung von 6 mm ergibt. Damit ist der Hyperboost Run deutlich flacher als der Edge, der 7 mm weniger Material in der Ferse hat. Das Gewicht liegt bei rund 248 Gramm in EU 42 2/3.
Mit dem neuen Hyperboost Pro Foam belebt Adidas das Boost-Thema neu, das beim Edge bereits gut funktioniert hat. Grundlage ist gepresstes PEBA, das ein reaktives Laufgefühl mit hoher Energierückgabe liefert und dabei eine gewisse Festigkeit behält, statt komplett weich zu sein.
Beim Obermaterial zeigen sich Parallelen zum Edge mit einem strukturierten Obermaterial. In der Ferse kommt Neoprenmaterial zum Einsatz, das besser funktionieren soll als die Fersenkappe des Edge, die teilweise als zu steif empfunden wurde. Preislich liegt der Schuh bei 170 Euro.

Die Basis des Obermaterials bildet ein Mesh, das über die gesamte Länge mit vielen Overlays unterstützt wird. Das sorgt für viel Struktur. Aufbau, wodurch der Schuh kompakt am Fuß sitzt. Die Passform ist insgesamt schmal geschnitten. Auch mit schmalem Fuß war die Passform im Test nicht ganz ideal, da im Mittelfußbereich nur wenig Spielraum bleibt. Der Lockdown funktioniert gut, wenn die Schnürung passend gesetzt wird. Allerdings neigt man schnell dazu, den Schuh zu eng zu schnüren, da das Material wenig flexibel ist. Auch die Atmungsaktivität ist eher gering, weshalb der Schuh sich für heiße Sommertage weniger eignet.
Deutlich besser gelöst ist die Fersenpartie. Grundlage ist ein Neoprenmaterial, das mit einer leichten Fersenkappe und passenden Polsterungen kombiniert ist. Kurz gesagt, bleibt es oben flexibel, erzeugt im Abrollverhalten keine Druckstellen und wirkt dabei nicht instabil. Insgesamt ist das Obermaterial aber ausbaufähig: Mehr Geschmeidigkeit, mehr Platz und mehr Luftigkeit wären wünschenswert. Zusätzlich fällt der Schuh in der Länge eher lang aus. Das sollte bei der Auswahl auf jeden Fall beachtet werden.

In der Mittelsohle kommt das Hyperboost Pro vollständig zum Einsatz. Das Foam ist sehr reaktiv, bietet eine gute Dämpfung und ist nicht zu weich in der Mischung. Damit bewegt sich der Schuh in Richtung Supertrainer, ist aber deutlich flacher aufgebaut als der Hyperboost Edge. Die Breite der Mittelsohle sorgt dennoch für eine stabile Basis. Der Schuh hat einen eher snappy als weichen Charakter. Er drängt nicht von der ersten Sekunde an nach vorn, sondern bietet zunächst Breite, Stabilität und ein hohes Dämpfungsniveau. Der spürbare Push setzt erst ein, wenn man aktiv einen flotteren Schritt macht. Dann zeigt sich die Reaktivität der Mittelsohle deutlich. Insgesamt funktioniert das Setup richtig gut – vorausgesetzt, man mag das. Sicher gibt es auffälligere Materialien auf dem Markt, aber mit dem Foam hat Adidas eine gute Materialmischung präsentiert.
Hier setzt Adidas erneut auf Lighttraxion, das sich über die gesamte Außensohle zieht und im Vorfußbereich durch zwei Continental-Pads ergänzt wird, um den Grip zu erhöhen. Damit ist die Außensohle eine Stufe besser als die des Hyperboost Edge, bei dem Lighttraxion allein bereits gut funktioniert hat. Die Abriebfestigkeit ist sehr gut und auch bei Nässe funktioniert der Grip zuverlässig. Insgesamt ist dies eine hochwertige Außensohle, die zum restlichen Aufbau des Schuhs passt und für viele Kilometer ausgelegt ist.

Meine Einheiten mit dem Schuh lagen vor allem im Grundlagenbereich mit gelegentlichen Tempospitzen. Die Eigenschaften in Sachen Führung, Stabilität und Dämpfung sind beim Laufen gut ausbalanciert. Dabei bekommt man jederzeit ein hohes Maß an Dämpfung und ein sehr sicheres Laufgefühl, ohne bei jedem Schritt aggressiv nach vorne getrieben zu werden. Mit flotterem Schritt lässt sich der Schuh gut im Dauerlauftempo tragen. Das klappt auf allen gängigen Distanzen im Training.
Schade ist allerdings, dass sich der eng geschnittene Upper bemerkbar macht. Hier liegt auf jeden Fall noch Potenzial. Hat man einmal die passende Schnürung gefunden, sitzt der Schuh gut. Daher bringt er alles mit, was man für den Einsatz im täglichen Training braucht.

Im Vergleich zum Adidas Hyperboost Edge ist der Hyperboost Run flacher aufgebaut. Dadurch ist er direkter am Untergrund, agiler, aber weniger stark auf den Supertrainer-Charakter ausgelegt. Das Dämpfungsniveau ist bei beiden Modellen gut. Das Obermaterial ist bei beiden Modellen sehr strukturiert und könnte ein leichteres Tragegefühl bieten. Bei der Ferse ist der Hyperboost Run durch das Neoprenmaterial jedoch die bessere Lösung.
Der Adidas Adizero EVO SL hat einen ganz anderen Charakter: ein minimalistischeres Obermaterial, einen aggressiveren Rocker im Vorfuß und damit spürbar mehr Dynamik. Der EVO SL deckt ein breiteres Geschwindigkeitsspektrum ab und wirkt insgesamt leichter und atmungsaktiver. Der Hyperboost Run punktet dagegen als zuverlässiger Daily Trainer mit guter Stabilität und viel Dämpfung.
Der Hyperboost Run ist ein solider und hochwertig verarbeiteter Alltagslaufschuh, der viele Kilometer mitmachen wird. Die größte Schwachstelle liegt im Obermaterial, das mit etwas zu viel Material verarbeitet ist und nicht jedem eine ideale Passform bietet. Gleichzeitig sorgt genau dieses Material für eine hohe Langlebigkeit. Mit 248 Gramm ist der Schuh für seine Kategorie nicht zu schwer und die Außensohle bietet durchgehend guten Grip. Der Preis von 170 Euro ist angemessen. Wer einen zuverlässigen Alltagslaufschuh mit viel Dämpfung sucht und mit einer eher schmalen, kompakten Passform zurechtkommt, findet hier eine passende Option.